Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 74
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1886bd1/0104
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
74

Oberspier. — Otterstedt.

Oberspier und das fürstliche Jagdsehloss - zum Possen'.

Oberspier, Pfarrkirchdorf mit 747 Binw., Altgau, mit einem Rittergute, 9,5 km
südlich von Sondershausen, liegt am südlichen Abhänge der Hainleite und an der
Sondershausen-Erfürter Chaussee.

Urkundliche Namensformen: 1242 Spira superior, 1322 Obern Spire,
1391 Obirnspira, 1417 Obernspira.

Die Kirche St. Johannis, sedes Jechaburg, wurde 1778 neu erbaut. — In
alten Zeiten hatte das Dorf nur eine kleine Capelle, welche an der Südseite desselben
lag. Sie war Unserer-Lieben-Frauen geweiht und wird ausser in dem Archi-
diaconatsregister auch in Jechaburger Urkunden von 1343 und 1467, sowie in den
Lehnsbüchern von 1499, 1517 und 1518 erwähnt.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,22, — 0,94 und 0,76 m Durchmesser
wurde die grosse 1868 von Gebr. Ulrich, die mittlere 1854 von Carl Friedr. Ulrich
und die kleine 1774 von Gebr. Ulrich, sämtlich zu Apolda, gegossen.

Das Kittergut ist aus einem vormals gräflich-schwarzburgischen Lehngute und
einigen kleineren Gütern gebildet worden. Mit dem erstem waren im Laufe der Zeit
belehnt: 1350 die Herren von Sondershausen, 1411 die von Westhausen und
die von Wertern, 1489 die von Hopfgarten. — Das Rittergut ist im Besitz der
Familie Zahn.

Ueber die Wüstung Reinisch resp. Rinthse, von deren Flur ein Theil zu
der von Oberspier gekommen, vergl. Kirchengel.

Nach Oberspier eingepfarrt ist das fürstliche Jagdsehloss „zum Possen",
4,5 km nördlich davon und 5 km südlich von Sondershausen, liegt mitten im Walde
und wurde 1736 vom Fürsten Günther erbaut. Dasselbe besteht aus Holz und
Fachwerk und nimmt mit Nebengebäuden und allen Zugehörungen etwa einen halben
Hektar Landes ein. Das Schloss enthält einen Speisesaal, 16 Stuben, 22 Kammern,
2 Küchen, ein Schlachthaus, 3 Keller, 4 Remisen, 2 Scheunen und Stallung für
57 Pferde. — Ein Zimmer des Schlosses zeichnet sich dadurch aus, dass dessen
sämtliche Möbel uud Geräthschaften bis zum Schreibzeug aus Hirschhorn ge-
fertigt sind.

Unweit des Schlosses und zwar nördlich von demselben erhebt sich ein frei-
stehender Thurm, welchen der Fürst Christian 1766 errichten liess. Derselbe steht
auf dem höchsten Punkte der Hainleite, 432 m über der Ostsee. Zu seiner mit Blei
belegten und mit einer Gallerie umgebenen Plattform führen 213 Stufen, und man
geniesst von ihr aus eine reizende Rundschau nach allen vier Himmelsgegenden —
über den ganzen Thüringerwald, das Harzgebirge, über das Kyffhäusergebirge hinaus
bis in die Grafschaft Mansfeld und über die Schmücke und Finne.

Otterstedt,

Pfarrkirchdorf mit 267 Einw.. 15,9 km südöstlich von Sondershausen, liegt am süd-
lichen und westlichen Abhänge einer von der Hainleite ausgehenden Hochebene, die
sich nach W. ziemlich steil abdacht.
loading ...