Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 77
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Rohnstedt. — Schernberg.

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Vom Jahre 1632 bis 1638 war Andreas Toppius, welcher sich durch seine
Beschreibung der Städte, und Flecken der Grafschaft Schwarzburg und durch einige
kleinere Schriften ähnlichen Inhalts ein nicht geringes Verdienst erworben, Pfarrer
zu Rohnstedt.

Ueber die an den Grenzen der dortigen Flur gelegenen Wüstungen Neustedt
und Gröbern vergl. Grossenehrich und Westgreussen.

Schernberg,

Marktflecken mit 1210 Einw., Altgau, mit einer fürstlichen Domaine, 10,5 km südwestlich
von Sondershausen, liegt unweit des Bergrückens der Hainleite, welche sich dort sanft
abdacht, und in der Nähe der Hohenebra-Ebeleber Secundärbahn, die in dem Flur-
bezirk des Orts eine demselben ganz nah gelegene Haltestelle und eine etwas weiter
entfernte Station hat.

Urkundliche Namensformen: 1205 und 1357 Schernberg, 1217 Schern-
bergk, 1332 und 1467 Scherrenbergk, 1340 Scherberg, 1347 Schermberg,
1366 Scherenberg.

Nach dem Orte nannte sich ein daselbst begütertes Adelsgeschlecht, von
welchem mehrere Glieder in Urkunden vom 13. bis 16. Jahrhundert vorkommen. Da-
hin gehören die Rittter Gyseler und Heinrich von Schernberg, welche 1357
Land in der Flur von Schernberg an das Kloster Capelle gegen eine Teichstätte etc.
desselben zu Gruna vertauschen; 1364 ist ein Heinrich von Schernberg Vicar im
Kloster Ilm, 1377 ein Heinrich von Schernberg einer der Sequestratoren des
Hauses Greussen u. a. m.

Die Kirche St. Crucis, sedes Marksussra, wurde von 1555 bis 1565 neu er-
baut; in derselben werden zwei Vicarien, St. Gangolfi und St. Crucis, gestiftet;
vier Häuser des Orts führen noch heute den Namen Vicarien und gehörten somit
zu jener Stiftung. Im Jahre 1649 erfuhr die Kirche eine Erweiterung und 1880 mit
Beibehaltung der Grundmauern einen Neubau, bei welchem sie zugleich im Innern
sehr geschmackvoll hergerichtet wurde.

Erwähnenswerth ist das in der Kirche aufgestellte Grabdenkmal des Raths
und Amtmannes Just Bernhard von Windheim aus dem Jahre 1741. Dasselbe,
aus einem grossen Steine von feinem Korn bestehend, hat in der Mitte eine auf den
Verstorbenen sich beziehende Inschrift, in jeder der vier Ecken die Figur eines
Engels, und den oberen Schlusstein bildet das Windheim'sche Wappen, auf
dessen Schilde sich drei in einander verschlungene Ringe, darüber ein Helm mit ge-
schlossenem Visier und über diesem zwei Windmühlenfiügel befinden. Leider sind die
Figuren der Engel und einiges andere etwas beschädigt.

Ueber dem westlichen Eingange zur Kirche befindet sich ein aus Stein ge-
meisseltes Lamm, von einem Heiligenschein umgeben, über welchem sich das
Zeichen eines Kreuzes erhebt. Dasselbe befand sich früher an der Südseite der
Kirche und rührt nebst zwei kleinen gothischen Fenstern, die man bei dem letzten
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