Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 81
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Sondershausen.

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Aufbewahrt wird es in dem Zimmer der Kirchenbibliothek; jede sonstige Kunde über
dasselbe fehlt.

Die Kirchenbibliothek, in dem über der Sacristei gelegenen Zimmer be-
findlich, enthält einige sehr werthvolle Handschriften und alte Drucke. Dahin ge-
hören: ein Gebetbuch mit kostbaren und prachtvollen Initialen und Arabesken aus
dem vierzehnten Jahrhundert. M. S. — Die Düringische Chronik des Johannes
Rothe — im Verzeichniss der Bibliothek ist sie unter dem Titel: „Chronicon varii
argumenta" aufgeführt. — Sie ist nach dem TJrtheile der Kenner eine der zwei besten
Handschriften, die es von jener Chronik gibt. Lilienkron bezeichnet sie mit den
Worten: „Grösstes Folio, sehr starkes Papier, von einer Hand in der zweiten Hälfte des
fünfzehnten Jahrhunderts höchst correct geschrieben; die Lieber schritten und Initialen
der Capitel roth, 459 Blätter und vorangehend 49 Blätter Inhaltsverzeichniss." — Der
Sachsenspiegel von 1475. M. S. — Eine Bibelübersetzung des Hieronymus
per J. Fust et Petr. Schöffer. 1462. (Aeltester Druck). — Eine deutsche Bibel-
übersetzung vor Luther. — Mehrere alte Bibelausgaben. — Das Buch des N. T.
teutsch. Mit schönen Figuren. MDXXXHI.

Von den vier Kirchenglocken mit 1,75,— 1,38,— 1,19 und 0,84 m Durch-
messer hat die zweitgrösste und älteste folgende Inschrift:

VENITE OMNES QVI LABORATIS ET ONERATI ESTIS EGO REFICIAM VOS °
GVNTHERVS o ANTHONIVS HENRICVS o IOHANNES GVNTHERVS ET CHRI-
STIANVS GVNTHERVS ° FRATRES » COM1TES IN SCHWARZBVRG ET HOHN-
STEIN o DOMLNI IN ARNSTADIO-SONDERSHVSA ° LEVTENBERGA ° LOHRA ET
CLETTENBERGA o ANNO CHRISTI 1623.

Die grosse Glocke wurde 1854, die dritte 1730 und die kleine 1770 gegossen,
letztere auf Kosten des Hofapothekers Ziegenbein und dessen Ehefrau zu Sondershausen.

In die St. Trinitatiskirche eingepf'arrt sind: der Fürstenberg, südlich, die
Schleifhütte, westlich, und das Stadtgut Schersen, 5,2 km nördlich von der Stadt.

Die Kirche St. Crucis, am östlichen Ende der Stadt gelegen, wurde, wie aus
der an ihrer Nordseite befindlichen Inschrift (s. Fig. 27) hervorgeht, 1392 gegründet;
nach einer 1463 erlittenen Beschädigung durch eine Feuersbrunst alsobald wieder
restaurirt, erfuhr sie 1621 ein gleiches Schicksal, wurde aber bis 1623 wieder gänz-
lich hergestellt und diente, da die Trinitatiskirche zu gleicher Zeit abgebrannt war
und deren Aufbau erst 1691 vollendet wurde, 70 Jahre der Stadt als Hauptkirche. —
Späterhin wurde in derselben Gottesdienst für die Waisenkinder, nachher für die Straf-
und Arbeitsgefangenen und zuletzt von Zeit zu Zeit für die Gemeinde gehalten, bis sie
wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Im Jahre 1885 erfuhr sie eine voll-
ständige Reparatur.

Unter dem Thurme dieser Kirche befindet sich halb unter, halb über der Erde
eine Krypta, 8,80m breit, 3,74 m lang und bis zum Schlusstein ihres Kreuzgewölbes
3,80 m hoch. Das Kreuzgewölbe ruht auf vier Kempfer-Gesimsen; in das südöstliche
derselben ist ein männlicher Kopf mit langem Barte (s. Fig. 28»), in das süd-
westliche sind drei kleine gothische Fensterrahmen (s. Fig. 28t) eingemeisselt,
während die beiden andern ohne Abzeichen sind. Auf dem Schlussteine des Kreuz-
gewölbes ist ein Lamm mit einem Heiligenscheine und einer Fahne (s.
Fig. 28 c) ausgemeisselt. — Bei der unlängst stattgefundenen Restauration der Kirche

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