Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 85
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Sondershausen.

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unter dem Fürsten Christian Wilhelm erbaut und besteht aus sechs Etagen. Unter
den Räumen desselben zeichnet sich vornämlich der sog. Rittersaal, auch Riesensaal
gen., aus (s. Beilage XIV), welcher sich durch die ganze dritte Etage erstreckt und
26,6 m lang, 13,2 m breit und 4,8 m hoch ist.

Jedenfalls noch vor der Erbauung des südlichen Flügels waren an dem vom
Schlosse bis zum Marktplatze reichenden östlichen Abhänge des Schlossberges eine
ganze Reihe von Gebäuden der verschiedensten Art errichtet worden, nachdem man
zu diesem Zwecke dort eine hohe Terrasse aufgeführt hatte. Diese Gebäude bestanden
in Wohnungen für das herrschaftliche Dienstpersonal, in Waschhaus, Remisen und
Stallungen mit kleinen freien Plätzen und Gärtchen, ferner in zwei Thürmen mit zier-
lichen Kuppeln, und nördlich von diesen befand sich eine Frohnveste mit Hof und
Garten. Von dem unteren der beiden Thürme führte eine bedeckte Gallerie in die
Mansarde des Prinzenhauses, nachmals Palais genannt, welche jedoch aus späterer
Zeit stammte, indem das Prinzenhaus erst von 1724 bis 1726 erbaut wurde.

Am südlichen Eusse des Schlossberges lag die Hauptwache. Zwischen dieser
und einer Reihe Pallisaden nahm der ziemlich steile Fahrweg zum hochgelegenen
Schlosse seinen Anfang, auf welchem zwei Thore zu passiren waren, auf und neben
denen sich ansehnliche Wohnungsräume befanden. Nördlich neben der Hauptwache
lag die sog. Scherre oder Verkaufshalle der Fleischer, die aber zu den neueren An-
bauten gehörte, und noch weiter gegen Norden standen am Abhänge des Berges neben
dem Wege zur Lohmühle zwei Privathäuser. Der ganze in solcher Weise bebaute
Abhang des Schlossberges (s. Fig. 32) bildete einen nicht uninteressanten Vordergrund
des Schlosses.

Gleichwohl entsprachen mit der Zeit jene Gebäulichkeiten, die überdies theil-
weise dem Verfall entgegen gingen, ihrem Zwecke nicht mehr, und besonders war
die vom Markte zum Schlosse führende Auffahrt so steil, dass sich eine Aenderung
derselben nöthig machte. Deshalb wurden unter der Regierung des Fürsten Günther
Friedrich Carl II. gegen Ende des Jahres 1835 alle an dem betr. Abhänge gelegenen
Gebäude abgebrochen, der Berg selbst zum Theil abgetragen, mit einer halbkreis-
runden 10 bis 11 m hohen Mauer aus Quadern eingefasst und oben mit einer aus künstlich
durchbrochenen Steinen bestehenden Balustrade versehen. Auf dem zwischen dieser
und dem Schlosse befindlichen Räume wurden Gartenanlagen hergestellt. An der
Stelle der früheren Auffahrt zum Schlosse wurde neben der erwähnten Mauer eine
unten 7,5 m und oben 5,5 m breite aus 70 Stufen in sechs Absätzen bestehende Treppe
angelegt und am östlichen Fusse der Mauer eine neue mit der Vorderfront dem Markt-
platze zugewandte Hauptwache mit einem Säulenvorsprunge erbaut. Nördlich von der-
selben wurde an der Nordost- und Nordseite des Schlosses ein neuer zu demselben
aufführender Fahrweg angelegt.

Durch diese Veränderungen ist der Vordergrund des Schlosses nach 0. hin
zwar sehr vereinfacht worden, hat aber dadurch nichtsdestoweniger gewonnen, so dass
das Schloss vom Marktplatze aus einen imposanten Eindruck macht (s. Fig. 33).

Der neue mit Ziegeln gedeckte Theil des nördlichen Flügels bis zum
nordwestlichen Portale, sowie der sich daran anschliessende südwestliche Flügel des
Schlosses wurden unter der Regierung des Fürsten Christian Günther (reg. von
1758—1794) erbaut, der letztere an der Stelle, wo sich bis dahin noch ein Theil des
alten tiefen Burggrabens befunden hatte.
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