Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 88
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Sondershau sen.

ander. Letztere sind allein noch von der ganzen inneren Einrichtung übrig, während
das Gebäude selbst jetzt als Heu- und Strohmagazin für den fürstlichen Mar-
stall dient.

Bei der hohen Lage dieses Hauses, durch welches es alle Gebäude der Stadt
überragt, hat man von der offenen fünfzig Schritte im Umfang haltenden Gallerie, zu
welcher eine Treppe von 100 Stufen führt, eine wahrhaft entzückende Aussicht auf die
Stadt und die reizende Umgegend.

Die fürstliche Domaine. Das ansehnliche Wohnhaus und die umfangreichen
Nebengebäude derselben liegen am linken Ufer der Wipper und stammen grösstentheils
aus dem vorigen Jahrhundert. Erst 1774 und 1775 unter der Regierung des Fürsten
Christian Günther wurde mit der Erbauung derselben an der Stelle, wo sich früher
der sog. welsche Garten befand, der Anfang gemacht und zum Wohnhause das
Holzwerk des Gebäudes verwendet, in welchem von 1739 bis 1769 zu Abtsbessingen
Porcellanfabrikation betrieben worden war.

Das Stadtgut Schersen, 5,2 km nördlich von Sondershausen, liegt in dem
sog. Schersenthale und unweit der Sondershausen-Kelbraer Chaussee. Dieses Gut ist
aus den Zugehörungen des Dörfchens Schersen gebildet worden, welches 1381 in
den Besitz der Stadt Sondershausen gekommen war. Vergl. Wüstung Schersen.

Die Stadt Sondershausen soll eine der ersten Niederlassungen sein, welche die
Sachsen im sechsten Jahrhundert in dem Landstriche gründeten, den sie für den Bei-
stand erhalten, welchen sie den Franken gegen den König Hermannfried von Thü-
ringen 524 (530) geleistet hatten. Vergl. Einleitung.

Der Name Sondershausen, welchen die Sachsen dem betr. neu gegründeten
Orte gaben, deutet an, dass sie denselben als eine Stätte der Sonderung oder
Grenze angesehen wissen wollten, sei es zwischen dem sächsischen und fränki-
schen Thüringen (Nord- und Südthüringen) überhaupt, sei es insbesondere als
Grenze gegen das kleine Gebiet, das sich. die Franken der Salzquellen wegen vor-
behalten.

An der Stelle eines Yoigts, welchen die Sachsen ohne Zweifel gleich anfangs in
Sondershausen für diesen Ort und den angrenzenden Landstrich eingesetzt haben
mochten, finden wir dort später ein Dynastengeschlecht, welches über das betr.
Gebiet — die Herrschaft Sondershausen — frei gebot und sich nach dieser Herrschaft
nannte. Es sind dies die Freiherren von Sondershausen, urkundlich: von Sun-
dershusun, Sundreshusen, Sundirshusen, welche auch die mehrfach erwähnte
Burg gründeten.

Von ihnen wurde jedenfalls Sondershausen auch zur Stadt erhoben und befestigt.
Die Befestigungswerke, Mauern und Thürme — Wallgräben scheinen nicht angelegt
worden zu sein —, welche theilweise, wenn .auch nicht in ihrer ursprünglichen Höhe,
noch erhalten sind, umgaben wahrscheinlich die ganze damals vorhandene Stadt, welche
sich darnach als sehr klein herausstellt. Am südlichen Fnsse des Burgberges, in der
jetzigen Poststrasse und dem Brauhause gegenüber beginnend, zog sich die Mauer
zuerst westlich, dann südlich hinter den Gehöften der Langengasse hinab bis zu deren
Ende, ging dann rechtwinkelig östlich hinter den Gehöften der Schössergasse hinweg
und erstreckte sich nördlich bis zu der jetzigen Parkmauer. Ob sie sich in der Richtung
der letzteren bis zum östlichen oder nördlichen Fusse des Burgberges fortsetzte und
so die ganze betr. Stadt umschloss, ist nicht mehr ersichtlich.
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