Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 89
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Sondershausen.

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Den Aus- und Eingang der so von einer Mauer umschlossenen Stadt vermit-
telten zwei Thore, an der Westseite das sog. Brauhausthor und an der Ostseite
das sog. Badestubenthor — letzteres hatte seinen Namen von der neben ihm ge-
legenen Badestube, der kleinen G-asse, die hinter die Mauer führt, schief gegenüber.

Die Höhe der Mauer betrug, wie sich dies nach einem Bruchstück derselben
an einem noch etwa 9 m hohen Thurme berechnen lässt, 6 m; aber die Höhe der
Thürme lässt sich nicht mehr bestimmen, da keiner mehr vollständig erhalten ist.
Einer derselben, der sog. Ketzerthurm, von welchem noch ein kleiner Theil vor-
handen ist — er steht an der Nordostecke des sog. Durchbruchs, durch welchen
zwischen der Sackgasse resp. Leopoldstrasse und der Langengasse eine Verbindung
hergestellt wurde —, und welcher 1804 bis auf jenen stehen gebliebenen Theil abge-
brochen wurde, war 5 Stockwerk hoch. — Die halbrund aus der Mauer vortretenden
Thürme waren in sehr ungleichen, 30 bis 80 Schritt betragenden Zwischenräumen
errichtet; die meisten befanden sich an der Südseite der Stadt, wo man ihrer noch
acht zählt, die meisten, gleich der Mauer, ziemlich weit abgetragen.

Zur Stadt erhoben soll Sondershausen als Wappen zwei Schafscheeren,
das Wappen der Freiherren von Sondershausen, in seinen Siegelstempel aufgenommen
haben. Nachdem sie 1260 in den Besitz der Grafen von Honstein gekommen, nahm
sie das rothe Hirschgeweih, welches jene in ihrem Wappen führten, in ihr Siegel
auf, und sie hat dasselbe beibehalten, als sie, wie die ganze Herrschaft, 1356 in den
Besitz der Grafen von Schwarzburg kam; doch nahm sie als Hoheitszeichen noch
den schwarzburgischen Löwen in dasselbe auf, und ihr Siegelstempel besteht seitdem
aus einem rothen Hirschgeweih im blauen Felde mit einem goldenen ge-
krönten Löwen zwischen jenem.

Sondershausen ist von 1356 an im Besitz der Grafen von Schwarzburg ge-
blieben; im Jahre 1552 wurde sie die Besidenz der Linie Schwarzburg-Sonders-
hausen, war zwar zu Zeiten nur der Hauptort eines besonderen Landestheiles dieser
Linie, wurde aber nach Einführung der Primogenitur 1713 und nach dem kinderlosen
Absterben des Fürsten Anton Günther II. von Schwarzburg-Arnstadt, 1716,
die Haupt- und Residenzstadt des gesamten schwarzburg-sondershäusischen, aus
einem unterherrschaftlichen und einem oberherrschaftlichen Theile bestehenden Fürsten-
thums. Vergl. Einleitung.

Leber die Beschäftigung, Gewerbthätigkeit etc. der Bewohner von Sondershausen
vergl. Einleitung.

Wüstungen. Ehemals lag ganz in der Nähe des der Stadt Sondershausen ge-
hörigen Gutes Schersen ein Dörfchen gleichen Namens, urkundlich: Scersa, Scerse,
Serse und Scherse, nach welchem sich auch ein Adelsgeschlecht nannte. Urkund-
lich kommen von demselben vor: 1251 Walterus de Scerse, 1261 Cunemundus
et Albertus de Serse, 1268 Albertus et Henricus de Scerse, fratres, 1304
Albertus de Scherse. — Mit dem Dörfchen waren von den Grafen von Beich-
lingen die Herren von Merode auf Questenberg belehnt worden. Im Jahre 1381
überliessen letztere mit Consens der Lehensherren das Dörfchen mit allen Zugehörungen,
unter welchen auch eines Kirchleins gedacht wird, der Stadt Sondershausen gegen
einen jährlichen Erbzins von zwei Fastenhühnern.

Jenes Dörfchen besteht längst nicht mehr, und es hat sich auch keine Kunde
erhalten, wann und wodurch es untergegangen ist; nur eine aus Steingerölle, Kalk-
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