Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 91
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Stockhausen.

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Urkundliche Namensformen: 1217 Stocghusen, 1266 Stogkhusen, 1349
Stockhusen, 1391 Stoghusen, 1471 Stoghusin, im Volksdialekt: Stoxen
(Stochsen).

Nach dem Orte nannte sich eine adelige Familie, welche daselbst, wie an meh-
reren anderen Orten der Unterherrschaft begütert war.

Die Kirche St. Matthaei, Filial von Jechaburg, ist alt und wahrscheinlich
1442 oder bald nachher erbaut worden. Sie ist an ihrem Standorte das erste Gottes-
haus, da die Kirche oder Capelle, welche der Ort vorher hatte, wie auch der Ort selbst
weit westlicher, vor dem sog. Bornthale lag, — die Kirche auf einer Anhöhe, dem
sog. Kirchberge „hinter Wiedlings Garten". — Zu der Erbauung eines neuen Gottes-
hauses gab der Umstand Veranlassung, dass die Bewohner ihren alten Wohnort ver-
lassen und sich weiter nach 0. um die daselbst liegenden Vorwerke angebaut hatten.
Da aber der Weg von da bis zur alten Capelle weit und zu Zeiten schlecht, die
Capelle überdies baufällig war, so erwirkte der damalige Graf Heinrich auf Bitten der
Gemeinde 1442 bei dem Brzbischof Dietrich von Mainz die Erlaubniss, eine neue
Kirche in dem neu erstandenen Orte zu erbauen, welche auch unter der Bedingung
ertheilt wurde, dass die alte Capelle in baulichem Zustande erhalten und an den sieben
Hauptfesten in derselben Messe gelesen würde.

Die alte Capelle wurde 1217 ganz mit der Kirche zu Jechaburg vereinigt, wes-
halb man jene auch nicht besonders als zur sedes Jechaburg gehörig aufgeführt findet.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche einen silbernen und vergoldeten
Abendmahlskelch von hohem Alter und grossem Kunstwerth (s. Beilage XVII).
Er ist 0,16 m hoch, hat einen oberen Durchmesser von 0,11 m und einen sechseckigen
Fuss. Die sechs von dem Busse bis zu dem sechstheiligen Knauf sich erstreckenden
Felder sind blau emaillirt und auf denselben befinden sich ein Crucifix, das Kreuz
golden, der Leib des Herrn silbern, neben demselben Sonne und Mond und über dem-
selben Verzierungen in Spitzbogenform, ferner das Bild eines Bischofs mit dem
Hirtenstabe und vier Heiligenbilder.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,2, — 0,81 und 0,72 m Durchmesser
wurde die grosse 1831 und die mittlere 1829 von Gebr. Ulrich zu Laucha und die
kleine 1734 von Martin Heintzen zu Leipzig gegossen. Bei dem Gusse der letztern
wurde das alte 17 Pfd. schwere Glöckchen mit verwandt, welches die Gemeinde in
Jechaburg für zwei Thaler gekauft hatte, nachdem ihr im dreissigjährigen Kriege die
Glocken gestohlen worden waren.

Die Gebäude des fürstlichen Vorwerks sind alt, haben aber nichts Inter-
essantes aufzuweisen. Sie gehörten früher zwei kleinen Gütern an. Das eine, wahr-
scheinlich der Stammsitz der Herren von Stockhausen, fiel nach deren Aussterben den
Grafen von Schwarzburg heim. Auf demselben hielten diese nachmals als Fürsten
zuweilen Hof, wovon das Wohngebäude noch den Namen Fürstenhof führt, jetzt aber
als Schüttboden dient. — Das andere Gut, das sog: Hethenische, ist wahrscheinlich
dasjenige, welches die Gräfin Mechtilde von Aschania 1266 an den Grafen Heinrich
von Honstein verkaufte. Vergl. Spatenburg. Lange Zeit waren mit demselben die
Herren von Sondershausen, nachher die Herren von Stockhausen belehnt.

Das Dorf Stockhausen bestand im 13. Jahrhundert nur aus 14 Familien, die
sich, wie schon berichtet, an dem westlich von dem Dorfe gelegenen Bornthale an~
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