Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 93
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1886bd1/0137
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Thalebra.

93

Bei der ersten Zeile vorstehender Inschrift AVE SANT sollen die folgenden
verspritzten Buchstaben vielleicht IVLIANE heissen, welcher die alte Capelle geweiht
war. Der erste Theil der folgenden Inschrift ist zu lesen: Anno Dm. MCCCC primo
(1401) sabato post M . , . (ist Mamerti zu lesen —■ nach einer gütigen Mit-
theilung des Herrn Dr. Otte-Merseburg) XII (XIII) . . . (Tage) vor hemmelvarthe.
H. und Jerges Junge — nach des Herrn Dr. Otte Erklärung wahrscheinlich die
Namen der Kirchenväter.

Von dem zweiten Theile der Inschrift: Jesus Nasarenus rex Judeorum — »
sind die folgenden ganz verspritzten Worte vielleicht zu lesen: gib den Gläubigen
Kuhe und Frieden.

Die mittlere Glocke ist ohne Inschrift, aber ihrer Form nach sehr alt.

Die kleine Glocke, welche sowohl als Läute-, als auch als Seigerglocke dient,
ist ebenfalls sehr alt und hat als Inschrift (s. Fig. 37):

Fig. 37.

Diese Inschrift ist schwer zu enträthseln; die letzten Zeichen sind vielleicht,
wie Herr Prof. Dr. Grössler-Eisleben meint, zu lesen: Hilf uns!

Diese Glocke soll auf der unweit Thalebra gelegenen Wüstung Küllstedt aus-
gegraben worden sein.

Die fürstliche Domaine besteht aus einigen kleineren, vormals dort befind-
lichen Gütern, die theils adeligen Familien, theils frommen Stiftungen gehörten, z. B.
eins dem Kloster TL L. F. zu Nordhausen, welches 1446 in den Besitz des Stifts
Jechaburg kam. Diese Güter wurden späterhin in ein Bittergut verwandelt, welches
1820 die fürstliche Kammer zu Sondershausen käuflich erwarb.

Etwa 1 km südlich von Thalebra befindet sich in dem sog. Küllstedter
Grunde die Wüstung des Dorfes Cullstete. Dasselbe kommt urkundlich 1128 und
von da an mehrfach unter dem Namen Cullstede, Collestede, Kulstete und
Kolstedt vor, und eine Urkunde von 1397 gedenkt der Capelle St. Pancratii in
Kulstete. In dem Archidiaconatsregister von 1506 wird Kolstete als zur sedes Mark-
sussra gehörig, aber als desolat bezeichnet. — Grundmauern etc. des ehemaligen
Dörfchens sind nicht mehr vorhanden, aber sein Name hat sich in der Benennung
seines vormaligen Standorts „Küllstedter Grund" erhalten. — In eben diesem Grunde
soll die noch vorhandene kleine Glocke zu Thalebra ausgegraben worden sein.

Nach dem Orte Cullstete nannten sich: 1128 Vinnoldus de Collestede,
1297 Bertholdus de Kullistede, 1320 Hermannus de Kulstede, 1372 Sifrid
von Kulstete, 1377 Friedrich von Kulstedt, 1384 Sivred von Culstete, 1403
Ulrich von Kulstete, wohnhaft zu „Tal-Ebra".

Darüber, dass sich 1075, während der Kaiser Heinrich IV. bei Spira sein Hof-
lager aufschlug, seine Truppen und namentlich die der Sachsen und Thüringer bei
Thalebra und Hohenebra lagerten, vergl. Niederspier.
loading ...