Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 97
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Trebra.

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stammen. Im Jahre 1787 erfuhr die Kirche nicht blos eine Reparatur, sondern wurde
auch nach Osten hin verlängert, und der Thurm erhielt gleichzeitig einen neuen Auf-
satz. — Bis 1575 war sie die Mutterkirche von der zu Niederbösa, welche letztere in
dem erwähnten Jahre einen eigenen Pfarrer erhielt.

Die drei Kirchenglocken von 1,20, — 0,95 und 0,80 m Durchmesser wurden
1856 von Gebr. Ulrich zu Apolda und Laucha gegossen.

Neben dem Gottesackerthore befindet sich auf einer in die Mauer eingelassenen
Steinplatte die Inschrift:

HANNS KOBLENTZ HEINRICH GVTTEL DIE ZEIT ALTARLEVTE. 1577.

Aus derselben Zeit mag auch die Inschrift auf der oben länglichrund zulaufenden
Einfassung der Gottesackerthür stammen:

CHRISTVS IST MEIN LEBEN STERBEN MEIN GEWINN.

Ausser der Kirche St. Petri hatte Trebra nach dem Archidiaconatsregister noch
eine Capelle, welche wahrscheinlich zu dem dortigen Kloster gehörte. Sie lag nebst
einem Wirthschaftsgebäude des Klosters an der Südseite des Dorfes; doch sind von
beiden keine sichtbaren Spuren mehr vorhanden. Ihren Standort nehmen jetzt Ge-
bäude, Gärten etc. ein; aber an ihr einstiges Vorhandensein daselbst erinnern ver-
schiedene Ortsbenennungen, wie Capellhof, ein Platz, Mönchsthor, eine Strasse,
vor dem Mönchsthore, das Peld, zu welchem jene Strasse führt.

"Was aber das erwähnte Kloster betrifft, so ist von demselben noch ein Ge-
bäude oder ein Theil eines solchen vorhanden. Dasselbe liegt an der Nordseite des
Dorfes in dem Gehöfte des Landwirths P. Ludwig; eine kleine Strasse, welche zu
demselben führt, heisst noch heute die Klostergasse. Das betr. Gebäude ist aus
Holz und Fachwerk aufgeführt, und in die Rähmstücke, Balkenköpfe, Saumschwellen
und Säulen mit ihren Eckstreben des zweiten Stockwerks sind Rosetten und andere
Verzierungen eingeschnitten. In diesem Stockwerk befinden sich zwei kleine Kammern,
welche ehemals unstreitig Mönchszellen waren, und an deren Wänden Inschriften,
biblische Bilder, Arabesken und Blattgewinde dargestellt sind, als: Der Spruch Ev.
Joh. 14, 47: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer an mich glaubt, hat das ewige
Leben — Moses mit der ehernen Schlange — Adam und Eva, zwischen ihnen der
Baum der Erkenntniss mit der Schlange — ein Crucifix, neben welchem eine weibliche
Figur kniet — die Verkündigung der Maria — Petrus mit dem Schlüssel, Paulus mit
dem Schwerte — Christus und Judas, letzterer mit einem Beutel in der Hand, küsst
den Herrn — Gethsemane, auf einem Felsenvorsprunge steht ein Kelch, in demselben
ein Kreuz, und vor demselben kniet Christus, die Hände zum Gebet erhoben. — Die
Bilder sind auf Lehmgrunde in brauner, gelber, blauer und schwarzer Wasserfarbe
ausgeführt.

Die betr. Wände waren, wahrscheinlich bei Aufhebung des Klosters, mit starken
eichenen Bohlen zugeschlagen worden, und die "Bilder sind erst wieder zum Vorschein
gekommen, als man in jüngster Zeit die Bohlen abnahm. Obwohl jene Bilder in der
Länge der Zeit gelitten haben, so lässt sich doch noch deutlich erkennen, was sie vor-
stellen sollen.

Am östlichen Ende des Dorfes lag früher eine Burg, die Kikersburg ge-
nannt, welche vielleicht das praedium ist, das Kaiser Heinrich I. nach einer
Urkunde von 932 in „Triburi" vom Abt zu Fulda eintauschte. Der Platz, welchen

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