Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 8
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Einleitung.

Belehnung dort noch Besitzer freier Güter: die Grafen von Gleichen in Jesuborn,
die schon erwähnten Herren von Berlstedt in Gehren und andern Orten, die
von Griesheim, von Kindeleben und von Penewitz (Pennewitz) bezüglich des
wüsten Dorfes Folienhayn am „Porzaile" (Porzel resp. Langenberg). Allmählich aber
kamen jene Güter und Besitzungen theils durch Kauf, theils durch freiwillige Lehns-
auftragung in die Hand der Grafen von Schwarzburg. So erscheinen diese im Jahre
1374 als Lehnsherren von dem Dorfe Möhrenbach, welches früher ein Allod der Herren
von Berlstedt war, indem letztere dasselbe in dem vorerwähnten Jahre nur mit aus-
drücklichem Consens jener verkaufen. Das Schloss Gehren mit Zubehörungen mag
ihnen wohl ebenfalls bereits im 14. Jahrhundert lehnbar geworden sein, im 15. Jahr-
hundert aber kaufen sie es von den einzelnen Gliedern der Familie von Berlstedt an
sich zurück.

Erst nachdem die Grafen in solcher Weise in den wirklichen Besitz des Reichs-
lehnamts Gehren gekommen waren, konnten sie demselben ihre ganze Sorgfalt widmen,
und sie thaten es mit grossem Eifer, so dass es allmählich der wichtige und werth-
volle Besitz wurde, der es gegenwärtig ist.

Nach dieser Betrachtung der physischen Beschaffenheit und der politischen
Gestaltung der Oberherrschaft bleibt uns noch übrig, einen kurzen Blick auf das
religiöse und kirchliche Leben ihrer Bewohner und dessen Entwicklung zu werfen.
Als das wichtigste Ereigniss haben wir in dieser Beziehung die Einführung des Christen-
thums unter ihnen zu betrachten und als eine höchst erfreuliche Thatsache zu berichten,
dass dieselbe dort früher, als in vielen andern Theilen Thüringens stattfand. Denn
schon in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts, zwischen 670 und 689, kam
nach Franken und Thüringen der heilige Kilian, ein Schotte, der wahrscheinlich auch
in Arnstadt das Evangelium verkündigte. Nach seinem 689 in Franken erlittenen
Märtyrertode kamen zunächst irische Missionäre, dann, ums Jahr 696, der Angelsachse
Willibrord, um in Franken und Thüringen das Werk der Bekehrung fortzusetzen,
und wahrscheinlich war er es, welcher diejenigen Edeln Thüringens — unter ihnen
einen Ahnherrn unseres Fürstenhauses, Gunthar, — zum Christenthum bekehrte,
welche der Papst Gregor II. brieflich durch den Bonifatius begrüsste und zur Treue
im Christenthum ermunterte. Sicherlich war Willibrord es auch, welcher zu Arnstadt
die erste Capelle und zwar an der Stelle gründete, an welcher sich nachmals die Lieb-
frauenkirche erhob. Als Bonifacius 718 oder 719 nach Arnstadt kam, fand er somit
für seinen Apostelberuf den Weg schon einigermassen angebahnt, und es wurde, wenn
auch nicht von ihm selbst, so doch in dankbarem Andenken an ihn und sein Wirken
daselbst die Bonifaciuskirche erbaut, an deren Steile jetzt die Neuekirche steht.

Noch vor dem Erscheinen des Bonifacius hatte der Herzog Heden II. im Jahr
704 dem Willibrord, Bischof zu Utrecht, eine Schenkung von Gütern in Arnstadt und
der Umgegend gemacht, in welcher jedenfalls für Willibrord, wie für die Abtei Hers-'
feld, welcher jene Güter nachmals zu Theil wurden, eine Ermahnung lag, das Christen-
thum an den betr. Orten thätig zu fördern. Von dem Eifer, mit welchem Hersfeld,
das inzwischen seinen Besitz in Arnstadt noch vergrössert hatte, der Absicht des
Schenkgebers nachkam, gibt unter anderm die Gründung eines Nonnenklosters zu
Ehren der heiligen Walpurgis Zeugniss, welches von ihm allein oder unter seiner Mit-
wirkung von den Grafen von Kevernburg in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts
auf einer Höhe südöstlich von Arnstadt — auf dem jetzigen Walperberge — gestiftet
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