Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 10
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II)

Einleitung.

stadt und die Klöster Ilm und Paulinzelle hatte sich das Archidiaconat selbst vor-
behalten.

So lange nun diese kirchlichen Anstalten mit heiligem Ernst geleitet und mit
frommem Sinn verwaltet wurden, stifteten sie im häuslichen, wie im öffentlichen Leben
reichen Segen; leider aber erstarb allmählich jener Ernst und Sinn selbst in denen,
welche Führer und Vorbilder des Volks sein sollten, und durch ihre Schuld vornehm-
lich versank die Christenheit, wie anderwärts, so auch hier nach und nach in die tiefste
sittliche Entartung und geistige Nacht, bis Dr. Martin Luther durch das Licht evan-
gelischer Wahrheit reinere Erkenntniss und sittliche Erneuerung wirkte. Sein milder
Schein drang glücklicherweise so früh zu den Bewohnern der Oberherrschaft, und diese
öffneten demselben so bereitwillig ihre Herzen, dass die Keformation schon wenige Jahre
nach ihrem Beginn dort fast allgemeinen Anklang fand. Nur unüberwindliche Hinder-
nisse verzögerten ihre feierliche Einführung bis zum Jahre 1533, und wenige Jahr
später, 1538, wurde das Franziscanerkloster zu Arnstadt aufgehoben als die Stätte,
von welcher zwar einst christliche Belehrung und Bildung ausgegangen war, in welcher
aber nachmals ein sehr unchristliches Leben geherrscht hatte. — Das Jungfrauen-
kloster daselbst erfuhr zwar nicht eine so plötzliche und streng befohlene Auflösung,
wie jenes, aber die Aufhebung desselben war, wie aus einer Urkunde hervorgeht, doch
bereits 1528 eine beschlossene Sache; ja der damalige G-raf Heinrich XXXII. zog 1533
die Güter dieses Klosters ein, bewilligte aber den noch vorhandenen Klosterjungfrauen
bis zu ihrem Ableben Sitz und Unterhalt in den Klostergebäuden. Mit dem Tode der
letzten Nonne 1566 nahm auch dieses Kloster ein Ende.

Gleich den Bewohnern der Unterherrschaft, sind auch die der Oberherrschaft
so treue Anhänger Luthers und der Keformation überhaupt geworden und geblieben,
dass, mit Ausnahme einer kleinen Zahl von Katholiken, Dissidenten und Israeliten,
sämtliche 35679 Einwohner evangelisch-lutherisch sind. —

Da die Distrikte, aus welchen gegenwärtig die Oberherrschaft besteht, einst
Theile des alten Thüringens waren, so mag, namentlich im Bezirk Arnstadt, die Mehr-
zahl der Bewohner dem alten Stamme der Thüringer angehören, im Bezirk Gehren
dagegen werden sich unter den dortigen Bewohnern auch Nachkommen der Franken
und selbst der Böhmen befinden, da in früherer Zeit aus beiden Völkerschaften
mehrmals einzelne Personen, ja ganze Familien dort einwanderten, um daselbst theils
als Glasmacher, theils und vornehmlich als Bergleute ihren Unterhalt zu erwerben,
sich dort ansiedelten und selbst die Gründer neuer Ortschaften wurden. Sicherlich
aber fehlt es in diesem Bezirk auch nicht an Nachkommen der Wenden, da von den
letztern dort bereits im 7. Jahrhunderte unter dem Herzog Heden I. nicht blos Ein-
fälle gemacht, sondern auch Ortschaften gegründet wurden, zu welchen Pennewitz und
Garsitz gerechnet werden.

Nach dem meistens fruchtbaren Boden im Bezirk Arnstadt zu urtheilen — denn
von 17 178 Hektaren Gesammtfiäche kommen, wenigstens gegenwärtig, auf Acker-und
Gartenländerei 11334 Hektare, während auf Wiesen 813, auf Weiden und Huthungen
1176, auf Haus- und Hofräume 110, auf Forsten und Holzungen 2870, auf Oed- und
Unland 12, auf Wegeland 708 und auf Gewässer 151, also zusammen nur 5840 und mit
Hinzurechnung derBruchtheile 5844Hektare kommen —, sahen sich dieBewohner desselben
gewiss vornehmlich auf Getreidebau hingewiesen. Daneben finden wir an nicht wenigen
Orten Hopfenbau, wie beiArnstadt, Plaue, Oberndorf, Dornheim, Espenfeld, und Weinbau,
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