Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 11
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Einleitung.

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dessen man sich namentlich bei Arnstadt sehr hefleissigt haben muss, indem die Bürger,
daselbst im Jahre 1635 an 12000 Eimer Wein aus ihren Weinbergen gewonnen haben sollen;
urkundlich erwähnt findet man Weingärten auch bei Plaue, Espenfeld, Siegelbach,
Dosdorf und Rudisleben. Ganz besonders aber muss, wie von den Dörfern des Bezirks
so namentlich von der Stadt Arnstadt der Anbau von Farbekräutern betrieben
worden sein, indem dieselbe zu den 5 bedeutendsten Waidstädten Thüringens ge-
zählt wurde. Dagegen beschäftigte man sich vormals dort viel weniger, als man in
unseren Tagen meinen sollte, mit Obst- und Gemüsebau, sowie mit Blumen-
zucht, die insgesammt gegenwärtig dort zu einer so hohen Stufe der Vollkommenheit
gelangt sind. Indessen fällt die erste Anregung zu einem eifrigem Betrieb der Obst-
baumzucht bereits in die zweite Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts, und Arnstadt
hat dieselbe dem Grafen Günther dem Streitbaren zu verdanken; denn er war es,
welcher dahin Obstsorten aus Holland und Belgien verpflanzte.

Doch nicht blos der Acker- und Gartenboden wurde in der oben beschriebenen
Weise benutzt, auch auf Wald- und Bergland richtete sich der Fleiss eines Theiles von
den Bewohnern unseres Bezirkes. So betrieb man in der nächsten Nähe Arnstadts an
verschiedenen Stellen Bergbau auf Eisen und Kupfer, bei Geschwenda und im
Gräfenröder Grund auf Braunstein, und dass die Ausbeute■ desselben nicht gering
war, bezeugt der Umstand, dass zur Verarbeitung der Erze bei-Arnstadt mehrere An-
stalten errichtet wurden. Zu denselben gehört namentlich das urkundlich 1496, 1498
und 1532 erwähnte Schmelzhüttenwerk*) vor Arnstadt, auch Seiger- und Scheide-
hütte genannt, mit welchem Nürnberger Kaufleute unter dem Namen „Gesellschaft des
Schmelzhüttenhandels," die sog. Hüttenherren, belehnt waren, wie aus einer Urkunde
von 1532 hervorgeht. In dieser Schmelzhütte wurden übrigens auch von auswärts
herbeigeführte Erze verarbeitet.

In diesen durch den Bergbau veranlassten Werkstätten fanden viele Bürger
Arnstadts lohnenden Verdienst, und bald gab es auch in der Stadt selbst allerlei Metall-
arbeiter, als Messer-, Nagel-, Zeug-, Waffenschmiede u. a. m.

Daneben wurden selbstverständlich dort auch die gewöhnlichen Handwerke be-
trieben, das der Schuhmacher und Töpfer mit besonders glücklichem Erfolge. In
gleicher Weise nahm Roth- und Weissgerber ei, sowie Wollweberei einen solchen
Aufschwung, dass jedes dieser Gewerke für seine Fabrikate nicht blos eine eigene
Walkmühle besass, sondern die Inhaber derselben, besonders die Wollweber oder
Tuchmacher (Gewandschneider) auch im bürgerlichen Leben ein solches Ansehn
genossen, dass sie lange Zeit die Stimmführer im städtischen Regimente waren.

Einen besonders erwähnenswerthen Erwerbszweig besass Arnstadt in dem der
Fuhrherren (Frachtfuhrleute), der zugleich für Thüringen und weit über dessen
Grenzen hinaus von culturhistorischer Bedeutung war. Indem jene nämlich in den
Städten Norddeutschlands, den Hansestädten und andern, Waaren holten und von Arn-

*) Das erwähnte Schmelzhüttenwerk soll unterhalb der Eremitage gelegen haben, und in einer
Urkunde von 149G wird ebenfalls seine Lage mit „darfür" (Arnstadt) und vom Archivar Ruhe in
seinem Iiepertorium memorabilium Schwarzburgicorum localium mit: oben vor Arnstadt bezeichnet.
Mit demselben waren Nürnberger Kaufleute unter dem Namen „Gesellschaft des Schmelzhütten-
handels belehnt, an deren Spitze 1498 Johann Letzscher, beider Rechte Doctor, Hans Garmer und
Sigmund Eurer zu Nürnberg und 1532 Albrecht Letscher, Christoph Schweres und Wilhelm Schussel-
fels standen. —
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