Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 16
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Arnstadt.

tlieils den Uebergangsstil aus dem romanischen in den gothischen und das Haupt-
portal den gothischen.

Das Westportal, ohne Mitberechnung des Bogens 3,5 m weit und 8,3 m hoch,
hat zirkelrunde, auf mehreren mit Capitälen verzierten Säulen stehende Bogen und
gehört ganz dem romanischen Stile an. — Dasselbe hat jetzt die Ueberschrift:
VERBVM DEI MAN ET IN jETERNVM — Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit —.
Darüber befindet sich ein Lamm Gottes.

Das nördliche Nebenportal, 4,4 m hoch und gegen 2,0 m breit, gehört
tlieils dem romanischen, theils dem TJebergangsstile an. Nach Puttrich: „Denkmale
der Baukunst des Mittelalters etc." gehören folgende Theile desselben dem roma-
nischen Stile an: die beiden zurücktretenden freistehenden Säulen auf jeder Seite,
die mit vorspringenden Ecken und verzierten Capitälen versehen sind, — die Fort-
setzung der Säulenschäfte an der Ueberwölbung mittelst starker Wülste und der ganzen
übrigen Gliederung dieser Ueberwölbung, — die gitterförmige Zierath, welche zwischen
den Säulenwülsten hinläuft, — die mit einigen Köpfen an den Schlusssteinen ver-
sehene Rundbogenverzierung über dem Belief (Thürbogenfeld, Tympanon), die reiche
Verzierung des innern Wulstes an der Ueberwölbung und an der daselbst befindlichen
Hachen Hohlkehle, endlich das Belief selbst. — Dem gothischen Stile gehören von
dem Portale an: der gedrückte Spitzbogen an der Ueberwölbung, — die giebelförmige
Bedachung des ganzen Portals und die gleichförmig sich wiederholende Bedachung des
auf dem Thürsturze ausgehauenen Reliefs. — Das Relief stellt Christus am Kreuze
dar, von vier Figuren umgeben,

rechts*) von einer weiblichen Figur (Maria?), neben welcher eine männliche
Figur in bürgerlicher Kleidung und vorgebeugter Stellung kniet (Kaiser Otto I.'?),
links steht eine männliche Figur (Johannes?) — andere halten auch diese Figur für
eine weibliche —, und neben ihr kniet ein Geistlicher (Erzbischof Wilhelm?).

Auf beiden Seiten des Thürsturzes und zwar nicht wagerecht, sondern von unten
nach oben gestellt, findet sich eine Inschrift, links die schon längst nicht blos unleser-
liche, sondern auch noch niemals recht enträthselte von Hellbach EPISCOPVS ge-
deutete, rechts: WILHELMVS.

Das Hauptportal im nördlichen Kreuzbau, 3,5 m breit, ist ganz gothisch.
Es hat an jeder Seite drei zurücktretende freistehende Säulen mit gothischen Füssen
und Capitälen. Ueber denselben wölbt sich ein Spitzbogen von schönster Form und
kräftigen Gliederungen. Ein schmaler steinerner Mittelpfeiler, mit einer Halbsäule
geschmückt, trennt den Eingang in zwei Abtheilungen, über welche sich ein gerader
Thürsturz hinerstreckt, welcher oben der Form des Gewölbebogens folgt. Auf dem
Thürsturze sind zwei Spitzbogen und in der Mitte zuoberst ist ein grosser Kreis,
sämtlich durch einfache Füllung verziert, halb erhaben in den Stein eingehauen. In-
mitten des Giebels ist eine Fensterrose, ebenfalls halb erhaben in den Stein ein-
gehauen. An jeder Seite des Giebels sieht man eine mehrfach gegliederte Spitzsäule.

An der rechten Seite des Portals steht eine Bildsäule, wohl die des Kaisers
Otto I., mit der linken Hand einen Schild haltend, die rechte auf die Brust gelegt;
links steht eine weibliche Figur, oben halb nackt, sonst in ein weites Gewand gehüllt.

*) Die Bezeichnungen rechts und links sind hier, wie überhaupt bei Beschreibungen von
Kunstwerken, vom Beschauer aus gedacht; in der Heraldik ist es umgekehrt. —
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