Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 19
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Arnstadt.

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noch Kreuztragimg, Kreuzigving, Grablegung, Auferstehung und Himmelfahrt—, und
indem diese Figuren auf blassrothem Grunde dargestellt und von dunkelem Blau etc.
umgeben waren, gewährten sie einen ergreifenden Anblick. Die Figur 3b stammt aus
dem nordöstlichen Fenster und stellt wahrscheinlich einen Heiligen dar. Er trägt
im Original ein grünes Gewand, lange weisse Beinkleider, ist barfuss und hält eine
siebenblätterige, unten gerundete Figur in der Hand.

So wie die betr. Figuren hier in der Abzeichnung erscheinen, lassen sie freilich
kaum ahnen, wie wunderbar schön sie mit ihrer warmen Farbenmischung in den
Originalen erscheinen. —

Wie aber die Fenster und andere Theile der Kirche im Laufe der Zeit mehr
und mehr in Verfall gerathen waren, so war dies leider mit dem ganzen Kirchen-
gebäude der Fall, und seitdem dasselbe zu Anfange unseres Jahrhunderts (1813—1815)
auch noch das traurige Loos gehabt hatte, als Kriegsmagazin dienen zu müssen, ist
kein Gottesdienst wieder darin gehalten worden. Um dasselbe wenigstens vor gänz-
lichem Untergänge zu bewahren, suchte man in den Jahren von 1835 bis 1837 etwas
für seine innere und 1843 auch für seine äussere Wiederherstellung zu thun, letzteres
aber leider in einer sehr unzweckmässigen Weise. Daher bildete sich im Jahre 1855
ein Comite, um eine vollständige Restauration der Kirche herbeizuführen, und nach-
dem man durch Staats- und Privatunterstützung die Mittel gewonnen hatte, um eine
solche ernstlich in Angriff nehmen zu können, so wurde sie unter Leitung des Re-
gierungsbaumeisters H. Stier aus Hannover 1880 begonnen und bis 1882 bezüglich des
Aussenwerks zu Ende geführt.

Um aber die Kirche ihrer hohen Bestimmung wieder zurückgeben und voll An-
dacht in ihr weilen zu können, bedurfte es noch einer würdigen Herstellung und Aus-
schmückung ihres Innern, und auch diese wurden in den letzten Monaten des Jahres
1886 und in den ersten des Jahres 1887 so weit vollendet, dass die Kirche noch in
diesem Frühjahre feierlich dem Dienste des Herrn geweiht werden wird.

Unterstützt wurde die Kirchengemeinde Arnstadts, wie sie es dankbarlichst
rühmt, bei der Aufwendung der nicht unbedeutenden Kosten, welche dieser letzte Theil
der Restauration ihrer Kirche forderte, vor allem durch das Durchlauchtigste Fürsten-
paar, dessen frommer Sinn vier Fenster, ein grosses und drei kleinere, die sich sämt-
lich durch ihre dunkle schöne Farbenmischung auszeichnen, für die herrschaftliche
Grabcapelle stiftete, sowie durch den wohlthätigen Sinn mehrerer Familien und der
Freimaurerloge, welche der Kirche die fünf grossen Fenster im Altarchor verehrten, die
durch ihren hellen Farbenton diesen Raum in lichtem Glänze erscheinen lassen. In
der Mitte desselben erhebt sich der ganz neu aufgebaute Altar mit trefflich aus-
geführten Steinhauerarbeiten, bestehend in einem grossen Crucifix, zwei Engelsfiguren,
von denen die eine einen Teller mit Brod, die andere einen Kelch hält, und in den
Reliefsteinbildern der vier Evangelisten in Nischen. S. Fig. 4.

Von den Gegenständen, die sich noch von Alters her in der Liebfrauenkirche
befinden, verdienen mehrere hervorgehoben zu werden, vor allen

der grosse prachtvolle Altarschrein oder Flügelaltar mit doppelten Flügeln.
Er steht jetzt nicht mehr, wie ehedem, auf dem Altar, sondern an der Südseite der
Kirche in der sog. Nicolaicapelle. Der innere Schrein, aus dem Mittelstücke und den
innern Seiten der beiden ersten Flügel bestehend, enthält nur Holzschnitzereien, welche
grösstentheils meisterhaft gearbeitet und stark vergoldet sind; die Figuren der übrigen

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