Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 34
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Arnstadt.

Ferner befinden sich in der Kirche mehrere Grabsteine und Epitaphien
von gräflichen Personen, wie von gräflichen und städtischen Kirchendienern und welt-
lichen Beamten, von welchen einige näher beschrieben zu werden verdienen.

Der Grabstein der Gräfin Utha — s. Fig. 12 — liegt mitten in der Kirche
12. und deckt jedenfalls die Grabstätte derselben.

._.___.__r_ Auf demselben ist die Figur der Verstorbenen

> L* nmo -rmbomaa-xhi T einfritzt; whts obe° J^*5* siohJ d»8

i-\ <fi^m schwarzburgische W appen mit dem (jetzt undeut-
lichen) Löwen und links ihr väterliches Wap-
pen, vier Querbalken. Die Umschrift ist:
ANNO ■ DNI ■ M ■ CCCXLVI • OBIIT • DOMINA ■

• COMITISSA • RELICTA ■ üiV/ ■
fl/C/- COM1TIS ■ DE-SWARZB VRGK-KL ■ AP- f.
— 3in 3al)rc <>es Ejernt ^3^6 ftarb freut llttja, (Sräftn,
lUttttue bes fjernt £jehmdj, ©reifen von Sdjwav^bina,,
ben U Jlpril —.

Die Gräfin Utha war mit dem Grafen Hein-
rich VII. vermählt, dessen zweite Gemahlin und
Stiefmutter des Kaisers Günther. Darnach, aus
welchem Hause sie stammte, hat man eine Zeit-
lang viel geforscht und verschiedene Schriften
darüber gewechselt, ohne zu einem zweifellosen
Resultate zu kommen. Zwar befindet sich auf
dem Grabsteine ihr väterliches Wappen: vier
Querbalken; aber da dasselbe Wappen mehreren
gräflichen und adeligen Häusern gemeinsam ist,
so war ohne besondere Fingerzeige die Entschei-
dung schwer, zumal man erst im 18. Jahrhun-
derte die Frage nach ihrer Abstammung aufwarf.
Das Wahrscheinlichste ist, dass sie aus dem

Gez.v. W. Schmitt- Grösse.' 1,93:0.Q8tu. Tt i n n r\ c i t. n

r, v. <. • j ^.-a ™ • j Hause der Edlen von Querfurt stammt. Das-
Der Grabstein der Grafin Utha m der

Oberkirche. sel°e hat vier l'othe Querbalken im Wappen,

zwischen Schwarzburg und Querfurt sind öfters
eheliche Verbindungen geschlossen worden, und ums Jahr 1334 wird sogar einer
Tochter des Edlen Bruno von Querfurt mit dem Namen Jutta = Utha, freilich ohne
weiteren Zusatz, gedacht. —

Der Grabstein des Hüttenherrn Georg Fischer — s. Fig. 13 —. Dei selbe
ist hinter dem Altare aufgestellt und erregt durch die Gegenstände, welche auf ihm
zur Darstellung gebracht worden sind, besonderes Interesse. In der Mitte des Hinter-
grundes steht ein Crucifix; am obern Bande des Grabsteins sind die Marterwerkzeuge
dargestellt: drei Würfel, drei Nägel, eine Geissei, eine Ruthe, das Rohr mit
dem Schwämme und eine Lanze; an der linken Seite sieht man das offene Grab,
aus welchem sich Christus der Herr halb erhoben hat; daneben hält ein Engel die
vom Grabe weggezogene Steinplatte, welche, in einen Altartisch verwandelt, eine Hostie,
einen Kelch und ein aufgeschlagenes Evangelienbuch enthält; rechts kniet neben dem
Tische ein Priester, welcher so eben Brod und Wein gesegnet haben mag, hinter ihm
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