Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 37
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Arnstadt.

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durch äusserst zart ausgeführte Holzschnitzereien und andere treffliche Ornamente aus-
zeichnet. Es besteht aus zwei Abtheilungen, die von je zwei kunstvoll verzierten
Säulen begrenzt werden. In der Mitte der untern Abtheilung steht ein hohes Cru-
cifix, links daneben im Vordergründe die Figur des Verstorbenen in Ritterkleidung, den
Commandostab in der Hand, zu seinen Füssen ein Helm; rechts vom Crucifix steht ein
römischer Kriegsknecht. Auf den beiden Säulen, welche diese Abtheilung begrenzen,
befinden sich die Wappenschilder von acht Ahnen des Verstorbenen; links die
der Pacmoren, der von Kegttor, der von Hoder-Ulben und der von der Wad-
law, — rechts die der . . ., der von Krapitzen, der von Bentzersdorff und der
Statigen von Ullten.

Die obere Abtheilung enthält ein Gemälde: die Bekehrung des Saulus in den
Paulus auf dem Wege nach Damascus.

Am Fusse des Epitaphiums befinden sich zwei Inschriften, die eine, in lateini-
scher, die andere in deutscher Sprache; die Anfangsbuchstaben der letztem bilden die
Worte: LEO PACMOR OBERSTER.

INVICT1 MONIMENTA VIDES TVMVLVMQVE LEONIS,

CVIVS MÄHTE VIGET, GLORIA PACE V1GET.

MARIE POTENS COMITI GVNTIIERO ASSISTERE SVETVS,

IIAVIJ LEO P VGNANTI DVCTOR INEPTVS ERAT.

SVETIA TESTIS ERIT DA NO SVRM1SSA POTENT1,

SCALD1S REG NA SECANS BELGICA TESTIS ERIT.

PACIS AM ANS G VNTHERO FIDISSIMVS IlyESIT.

VS1BVS ADDIXIT MVNERA LARGA PIIS,

MILLE 1NSTRVCTA LIRRIS HING BIBLIOTIIECA SVPERR1T,

HING NITOR EST JEDIS SPLENDID VS ISTE SACRjE.
— (Srabftciit fiebjt bit unb Ejiigcl bes uiibcjtnuiujciteit Kriegslemt,
lUelcbcr im Kriege fidj Hutnn, Hnt)tn im frteben erwarb.
Kampfesgcmaltig gemotmt, für (Sünther, ben (Srafen, ju ftreitcit,
(Dberft war tf|tn im Streit £eo mit uielem (Sefcbtcf,
geuge wirb Sdjtoeben uns fein im 3odje bes mädjttgen Dänen,
genge bic Sdjelbc uns fein, tbcüenb bas bclgifdje £anb.
3M;teub ben ^rieben, uerbiieb er uerbnubeu mit ©üntljer in CErcuc.
Ejötjerctt gtucefen geneigt, retdjltcbe (Saben er bot.
Daher in tanfenb öäubcu gereift prangt ftolj bic Stbliotbef min,
Dalmer am fjeiligeu Sau 3eigt fidj bie ftrabjeube pradjt. —

Aus dem Leben des Obersten Leo Pacmor oder Packmor ist ausser dem in vor-
stehenden Nachrufen Mitgetheilten wenig bekannt. Olearius nennt ihn in seiner
Historia Arnstadiensis „Oldenburgischer Trost (Drost, Landdrost) uf Delmenhorst aus
Preussenland." Er kämpfte unter dem Grafen Günther dem Streitbaren in verschie-
denen Kriegen und stand bei ihm in hohem Ansehen. Die letzten Jahre seines Lebens

JLeo Packmor aus preussenland,
Kiner vom Adel wohl bekand,
Oberster in Kriegsläuff'ten war,
(l'reussen sich dessen rühmt zwar)
An diesen Ort begraben leid.
Christum sein Herr er liebt allzeit,
Manch dapfre That hat er gethan,
Ohn Gott thut nichts fahen an.
Richtig er führt sein Regimenter.

Obersten man ihn gerne nennt,
Bekant, dass Gott den Sieg gegeben.
J3r führt ein eingezogen Leben,
Rief Gott den Herrn durch Christi an.
Schwartzburg liebt und ehrt den Man.
Teuer und werd er bald geacht.
Kndlich, do er sein Lauf vollbracht,
Rafft ihn Gott weg aus dem Elend,

beschert ihn ein selig End.
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