Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 38
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Arnstadt.

brachte er in Arnstadt zu und wohnte im gräflichen Schlosse daselbst, wo er am
30. September 1583 starb. Er hat sich durch mehrere milde Stiftungen an Kirchen
und Schulen zu Arnstadt ein bleibendes Denkmal gesetzt. Vergl. unten: die Sa-
cristei. —

An heiligen Gefässen besitzt die Oberkirche drei silberne und vergoldete
Abendmahlskelche; der älteste wurde ihr 1681 von Johann Wilhelm und Barbara
Maria Zöllner verehrt, von den beiden andern stammt der eine aus dem Jahre 1772
und der andere aus dem Jahre 1795. — Ferner zwei Hostienschachteln aus den
Jahren 1692 und 1693, letztere mit der Inschrift: Gott zu Ehren gibet Gottfried
Örtell und Marie Magdalene Örtell Ao 1693 d. 1. Jan.

Als Altarschmuck sind noch zu erwähnen zwei in Silber getriebene Leuch-
ter mit je drei kunstvoll modellirten Füssen. Beide wurden der Kirche im Jahre 1696
verehrt, der eine von 7 Gliedern der Familie Zöllner, der andere von Johann Wilhelm
Magen und Martha Magdalena, geb. Koch.

Die Sacristei, an der Südseite der Kirche gelegen, enthält die sehr umfang-
reiche Kirchen bibliothek, zu welcher der obenerwähnte Oberst Pacmor den Grund
legte, indem er der Oberkirche 1583 ein Capital legirte, dessen Zinsen theilweise zur
Beschaffung einer Kirchenbibliothek verwendet werden sollten. Sie ist seitdem auf
weit über 2000 Bände angewachsen. —

Auf dem im Jahre 1461 erbauten Thurme der Kirche befindet sich nur eine
Glocke, die im Verein mit den Glocken der Liebfrauenkirche zu allen bisherigen
Gottesdiensten in der Ober- und Neuenkirche gelautet wurde. Sie hat 1,0 m u. D.,
wurde 1587 von Melchior Möring zu Erfurt gegossen und hat als Inschrift: V * D #
M * 1 * JE * (Verbuni Do?nini mannt in aeternum) — Des fjenu iüort bleibt in (Ewig«
feit —.

Die Neuekirche, mitten in der Stadt an derselben Stelle gelegen, auf welcher
vorher die Bonifaciuskirche stand. Letztere mag, wenn auch nicht von Bonifacius
selbst bei seiner Anwesenheit in Arnstadt, 718 oder 719, so doch wahrscheinlich nicht
lange nachher zu seinem Andenken gegründet worden sein und wurde sodann 1444 erwei-
tert; ein von ihr stammender Stein, welcher in einen Strebepfeiler an der Ostseite
der jetzigen Kirche eingemauert ist, enthält die darauf bezügliche Inschrift: j=Dtmi
ütlt M CCCC XLIUI u>{ hiß pltfltlÜ — 3m 3ot|re bes Ejerrtt wv\ tft bis getaut —.
Als sie 1581 bei dem grossen Brande Arnstadts ebenfalls ein Opfer der Flammen ge-
worden war, blieb sie fast ein Jahrhundert hindurch in Trümmern liegen und wurde
erst von 1676 bis 1683 wieder aufgebaut, doch ohne Thurm; seitdem führt sie den
Namen Neuekirche. Auf einer an ihrer äussern Ostseite eingemauerten Steinplatte
beiindet sich folgende Inschrift:

D. F. S. (Dens faxit salutem).
HOC. TEMPLVM. A. C. MCCCCXL1V. A 31P LI Fl CA TVM. I). VII. AVGVSTI. MDLXXX1.
CONCBEMATVM. AD. OMN1POTENTIS. GLORIAM. SVB. BEG1M1NE. ILLVSTIUSS.
LVDOVICI GVNT1IEB1. SCIIWABZBVRG1CI. SV31T1BVS. POTISSIMVM. ILLVSTIUSS.
SOPIIUE DOROTHE/E VIDVsE SCIIWABZBVBGICjE A. 0. B. {anno orbis redemü)
M. DC LXXV1. TVBBAS. INTEB. BELL1CAS. BEPABATVB. — (Sott gebe feinen Segen.
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