Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 42
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1887bd2/0050
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
42

Arnstadt.

aufgeführt, wohl hauptsächlich darum, weil Graf Günther der Streitbare, welcher sich
damals in den Niederlanden aufhielt, von dort aus dies gewünscht hatte. Seit seiner
Erbauung hat das jetzige Rathhaus sowohl im Innern, wie im Aeussern manche Ver-
änderung und Verbesserung erfahren; aber besondere Erwähnung verdient in baulicher
Beziehung vornehmlich ein Portal desselben — s. Fig. 17 —. Dieses Portal, das
erste an der Südfront von W. her, der Eingang zu der sog. Rathsschenke, zeichnet
sich sowohl in seiner Composition und Construction, als auch in der trefflichen Aus-
führung der einzelnen Theile aus. Auf zwei cannelirten Säulen mit einfachen Posta-
menten und ionischen Capitälen ruht das Gebälk mit einem Kranzgesims, zwischen den
Säulen befinden sich der Gewölbebogen und in den Zwickeln desselben die Figuren
der Gerechtigkeit und der Tapferkeit in halbliegender Stellang. — Auf dem Gebälk
erhebt sich ein kleiner Aufbau mit den Figuren des Glaubens und der Liebe, und
zwischen diesen befindet sich das Wappen der Stadt Arnstadt, ein schwarzer ein-
köpfiger Adler in goldenem Felde, an jeder Seite desselben drei Wappen der
damaligen Bürger- und Rathsmeister mit ihren Monogrammen; die beiden obersten
dieser Wappen werden von Engeln gehalten. — Auf dem unter diesem Aufbau befind-
lichen Fries steht folgende auf die Feuersbrunst des Jahres 1581 und deren Urheber

— den Bürgermeister Johann Nebel — sich beziehende Inschrift:

QVÄS NEBEL EXITIO DEDERAT MALE PROVIDVS JEDES-
VVLCANO PROPRIOS CO NC REM AT IPSE LARES-
AVSPICIIS IAM GVNTHERI PIA 1VSSA FACESSENS,
CONDIDIT II AS PA TRI JE PROVIDA CVRA PA TR VM. 1583.

— (Eben ben Bau, fo ITcbct etnft preisgab beu flammen bebadjttos —

iüarb burdj fte bod; gccftöut felbft aitaj fein eigener I?erb —,

folgenb bem frommen <Sebot nad] (Sühtfyers [citenbett Winten

ifüfjrteti bie Däter ber Stabt forglid) tfjn n>icberum auf, —

Auf dem Rathhause
werden einige alter-
thümliche Gegenstände
aufbewahrt, von welchen
besonders zwei erwäh-
nenswerth sind.

Ein silb erner und ver-
goldeter Becher in der
Gestalt eines Adlers

— s. Fig. 18 —. Der
Adler, eine sehr sorg-
fältig ausgeführteArbeit,
hält in der einen Kralle
einen Schild mit dem
schwarzb urgischen Wap-
pen und mit zwei Un-
terschriften ; links: G.
D. V. G. D. R. G. Z.
Schwartzburgk (Günther

Ein Becher in der Form eines Adlers.

der Vier - Grafen des
Reichs,Graf zu Schwartz-
burgk) und rechts: K.
G. V. Nassau G. V. F.
Z. Schwartzburgk (Ka-
tharina , Gräfin von
Nassau, Gräfin und
Frau zu Schwartzburgk)
1592. —

Diesen Becher ver-
ehrte die Gräfin Ka-
tharina 1592 dem Rath
der Stadt Arnstadt. —

Der zweite jener
beiden Gegenstände, elf
Wachstafeln — s. Fig.
19 —, ist zwar kein
Kunstwerk, aber in cul-
turgeschichtlicher Be-
loading ...