Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 52
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Angelhausen.

Angelhausen,

Kirchdorf mit — inclusive Oberndorf*) und Kevernburg, welche mit A. eine poli-
tische Gemeinde bilden und darum auch nur eine Ortsbehörde haben, — 398 Einw.,
liegt 2,4 hm südöstlich von Arnstadt in einem Thale, welches nach N.O. und S.W.
von sanft ansteigenden Höhen begrenzt wird.

Urkundliche Namensformen: 948 Anglenhus, Anglenhusen, 1272 Angil-
husen, 1461 Angelhuszin.

Die Kirche St. Johannis, sedes Kirchheim, seit Einführung der Reformation,
bis wohin es seinen eigenen Pfarrer (Pleban) hatte, Filial von Oberndorf, ist theil-
weise sehr alt und bestand ursprünglich aus einer kleinen Capelle, welche nebst dem
Thurme mit seinen vier schmalen gekuppelten Rundbogenfenstern aus dem zwölften
Jahrhunderte stammte; späterhin wurde die Capelle nach 0. hin erweitert, dieser Theil
aber 1857 wieder abgebrochen und die Kirche nach W. hin verlängert. Durch eine
Renovation im Jahre 1886 wurde ihr Inneres sehr freundlich hergestellt.

In derselben befindet sich ein Altarschrein, dessen drei Theile aber getrennt
an verschiedenen Stellen der Kirche aufgestellt sind. Das Mittelstück, über der
Kanzel angebracht, enthält die gekrönte Maria mit dem Christuskinde auf dem Arm,
die heilige Barbara und eine gekrönte weibliche Figur ohne Attribut; daneben stehen
drei männliche Figuren, wahrscheinlich die der Apostel Petrus, Johannes und Jacobus.
— Die beiden Flügel sind auf den Emporen aufgestellt; auf dem linken, den Be-
such der Maria bei Elisabeth darstellend, steht unter der Figur der Maria: Pax dei
eterna sit teewn et sua gratia — Der etuige f riebe (Softes unb feine ©mibe fei mit bir —!
und unter der Figur der Elisabeth: Unde mihi hoc, ut benedicta inter midieres maier

dni mei venial ad me? Ucee! — IPobcr fommt mir bas, bcijj bie gebenebeietc unter bcn
ipeibern, bie lUntter meines Ejerrn, 311 mir fommt? Siebe! — Der rechte Flügel enthält die
Krönung der Maria durch Gott Vater und Gott Sohn, von musicirenden Engeln um-
geben; auf der Krone des Herrn steht: Jesus Christus und unter ihm die Worte: Pete
quodeunque volueris .delecta mi et impetrabis — Bitte, was bu nud> uullft, (Setiebtc, tmb bu
wirft es erhalten —, und auf der Krone der Maria: St. Maria und daneben: Si inveni

dne gratiam in oculis luis, indulge populo luo et pare — Jfenit tcb, 0 fjerr, 03imbe in
behielt Singen gefnuben rjabe, fo fei beinern Dolfc guübig unb gcfyordje (tijn feinen UJillen) —!

Unter den heiligen Gefässen der Kirche verdient hervorgehoben zu werden
eine silberne Hostiendose mit einem sauber gearbeiteten Jjamm Gottes auf dem
Deckel. Sie wurde der Kirche von der Fürstin Wilhelmine von Schwarzburg-Sonders-
hausen im Jahre 1810 verehrt.

Von den drei Kirchenglocken mit 0,83, — 0,64 und 0,56 m u. D. wurden
die grosse und mittlere von Joh. Mayer zu Rudolstadt im Jahre 1788 und die kleine
von Nicol Jonas Sorber zu Erfurt 1729 gegossen. —

*) Oberndorf wird nach seinen übrigen Beziehungen da beschrieben werden, wohin es nach
der alphabetischen Reihenfolge gehört.
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