Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 54
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Behringen. — Branchewinda.

Er hat einen runden sechstheiligen Fuss, von welchem sich sechs Felder in schräger
aufwärts laufender Windung bis zu dem runden Knauf erstrecken; schmale glatte
Streifen scheiden die Felder von einander, deren Inneres aus prachtvollen in Silber
getriebenen Arabesken besteht. Der Knauf ist ebenfalls in sechs schräg laufende
Felder abgetheilt, die von glatten Streifen begrenzt und im Innern mit in Silber ge-
triebenen Arabesken verziert sind.

In der Kirche befindet sich ein sehr freundlicher Stand des Kitterguts. —
Von den beiden Kirchenglocken mit 0,52 und 0,46 m u. D. wurde die grössere
1777 von Joh. Mayer zu Rudolstadt und die kleinere 1736 von Nicol Jonas Sorber zu
Erfurt gegossen. —

Das Wohngebäude des Ritterguts, gewöhnlich das Schloss genannt, ist
sehr ansehnlich und liegt auf einer von einem Teiche umgebenen Insel und gleich der
Pächterwohnung nebst den Wirthschaftsgebäuden am rechten Ufer der Wipfra.

Schloss und Dorf B. gehörten bis zum sechzehnten Jahrhundert den Grafen
von Henneberg; im Jahre 1536 vertauschte Graf Wilhelm von Henneberg beides an
den Grafen Heinrich XXXII. von Schwarzburg gegen die Hälfte des Dorfes Neusiss,
dessen andere Hälfte bereits hennebergisch war. Vom achtzehnten Jahrhundert an
waren Schloss und Dorf nebst der Gerichtsbarkeit über letzteres im Besitz der Familie
von Thumshiera (Thumshirn), dann in dem der Familie von Strahlendorf und hierauf,
wie noch gegenwärtig, in dem der Herren von Ketelhodt. — Die Gerichtsbarkeit über
das Dorf, welche bis 1850 der dortigen Gutsherrschaft zustand, ging in dem erwähnten
Jahre auf den Staat über. —

Wüstung. Etwa 3 km westlich von B., aber noch in dessen Flurbezirk, be-
findet sich der Standort eines vormaligen Dorfes, dessen immer nur unter dem Namen
Wüstenbehringen gedacht wird. Der betreffende Flurtheil führt denselben Namen,
aber sichtbare Spuren von dem ehemaligen Dorfe findet man daselbst nicht mehr. —

Branchewinda,

Kirchdorf mit 112 Einw., 6,5 km südöstlich von Arnstadt, liegt an der Arnstadt-
Gehrener Chaussee und zum Theil in einem lieblichen Thale, welches die westlich vom
Dorfe entspringende Moser durchfliesst. Im W. und S.W. des Dorfes erheben sich
der Gottlobsberg und der Mertensberg.

Urkundliche Namensfornien: 1380 Branchewinden, 1385 Brouchwinden,
1394 Brunchewinden, 1465 Brungewinden, Brungwinden, 1488 Branchen-
wind a.

Die Kirche St. Jacobi, Filial von Dannheim, etwas hochgelegen, stammt mit
ihrem älteren Theile aus dem zwölften Jahrhunderte; dahin gehört die halbkreisförmige
Altarnische mit einem kleinen Bundbogenfenster, und auch im Schiff sind noch Spuren
romanischer Fenster vorhanden. Im Jahre 1717 erfuhr sie eine bedeutende Reparatur
und zugleich eine Vergrösserung nach W. hin; ihr Inneres ist hell und freundlich.
— In derselben befand sich vormals ein prachtvoller Altarschrein, der aber, wahr-
scheinlich bei der mit ihr vorgenommenen Reparatur, bei Seite gestellt worden und in
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