Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 55
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Branchewinda. — Dannheim.

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Gefahr war, zu Grunde zu gehen. Dieser Gefahr ist er durch seine Versetzung nach
Schloss Gehren glücklicherweise entgangen. Vergl. Gehren.

Von den beiden Kirchenglocken mit 0,88 und 0,64 m u. D. wurde die grössere
1843 von Kobert Mayer in Ohrdruf und die kleinere 1804 von Gebr. Ulrich zu Apolda
und Laucha gegossen. —

Dannheim,

Pfarrkirchdorf mit 295 Einw., 5,0 km südöstlich von Arnstadt und an der Arnstadt-
Gehrener Chaussee gelegen, zieht sich mehr lang, als breit am Abhänge einer nach W.
sich erhebenden Anhöhe hin.

Urkundliche Namensformen: 1220 Tanheim, 1269 Tanaheim, Taneheim,
1429 Thanheim, Tanheimb, 1465 Tanheym, 1468 Tanhem, später bald Tanheim
bald Danheim, auch Tannheim und Dannheim. —

Die Kirche St. Bonifacii, sedes Alkersleben, Mutterkirche von den Kirchen
zu Branchewinda und Görbitzhausen, liegt auf einer Anhöhe an der Nordwestseite des
Orts und wurde von 1776 bis 1778 erbaut; durch eine Kenovation in den Jahren 1883
und 1884 ist ihr Inneres äusserst geschmackvoll hergestellt worden.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche einen silbernen und vergoldeten
Abendmahlskelch, von 20 cm Höhe und 11 cm o. D., mit der Inschrift: Uicce
calix venil ex gratia nobilitatis Marschallianae (1269) — btefer Ke(d; tft ein (Sefdjenf
ber a.beü$en famtlte JTtarfdjaH. — Ein auf demselben eingravirtes Wappen hat die
Ueberschrift: Der Marschalcken ihr Wappen. Hans Wilhelm Marschaich — Christoph
Friedrich Marschaich. — Ferner eine silberne Hostiendose mit der Inschrift: Herr
erhalte mich nach deinem Wort. Den 2. December 1658. Hans Wilhelm Mar-
schall jun.

Von den drei Kirchenglocken mit 0,92,—0,82 und 0,58 m u. D. wurde die
grosse 1517 gegossen und hat als Inschrift die Namen der vier Evangelisten: LV-
CAS * MARCVS * IOHANNES * MATHEVS * Die mittlere Glocke hat keine
Inschrift, ist aber ihrer schlanken Form nach von hohem Alter, und die kleine wurde
1876 von Gebr. Ulrich zu Apolda gegossen. Sie hängen in einem besonderen Glocken-
hause in der Nähe der Kirche.

Erwähnenswerth ist ein uralter, sehr grosser achteckiger Taufstein mit ein-
fachen, aber sauber gearbeiteten Verzierungen. Gegenwärtig steht er im Pfarrgehöft.

Vormals befand sich in D., wie die Sage geht — denn urkundliche Nachrichten
sind darüber nicht vorhanden —, ein Kloster, welches wahrscheinlich auf dem jetzigen
Pfarrhofe lag und auch noch das angrenzende Gehöft umfasste. Ein ganzer Complex
von Häusern, welche in der Nähe jener Gehöfte liegen, führen noch den Namen
Klosterhäuser, und ebenso heissen einige Feldgrundstücke noch jetzt Klosteräcker
und Klosterwiesen. —

Die Grundstücke des betr. Klosters wurden nach dessen Aufhebung wahrschein-
lich mit denen des gräflichen Guts daselbst vereinigt, mit welchem letztern schon im
15. Jahrhundert die adelige Familie Marschalck belehnt war, und welches nachmals in
ein llittergut derselben Familie verwandelt wurde. —
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