Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 67
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1887bd2/0076
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Görbitzhausen. — Hausen. 67

kelch von 23 cm Höhe und 11 cm o. D. mit seclistheiligem Fuss und rundem Knauf;
auf den sechs Knaufköpfen steht in erhabenen Buchstaben I E. S. V. S. und
das Kreuzeszeichen — f —. Auf einem der sechs Felder des Fusses befindet sich die
Figur eines Gotteslammes mit der Ueberschrift: Siehe, das ist Gottes Lamm! — Nach
einer Notiz des Kirchenbuches wurde dieser Kelch im Jahre 1682 der Kirche von
einigen Einwohnern dort verehrt. — Noch sind zu erwähnen: ein achteckiges zinnernes
Taufbecken von bedeutender Grösse — der innere Durchmesser des Bodens beträgt
34 cm, die Breite des Randes 9 cm —, mit eingravirten Blätterranken und der In-
schrift: Hans Heinern gewesene Hausmutter Elisabeth Hemers hat dies Taufbecken der
Kirche zu Gerwitzhausen zu ihrem Gedächtniss bescheiden, 1649, — und eine Tauf-
kanne von gleichem Metall und mit der Inschrift: Hans Heiner, 1657. —

Von den beiden Kirchenglocken, weichein einem nordwestlich von der Kirche
stehenden Glockenhause hängen, wurde die grössere mit 0,91 m u. D. 1832 von Chr.
Aug. Mayer und die kleinere mit 0,70 m u. D. von Joh. Mayer, beide zu Rudolstadt,
gegossen. —

Wüstung. Auf einer etwa 4 km östlich von G. gelegenen Anhöhe befindet
sich die Wüstung des Dorfes Lengefeld, von welchem noch vor wenigen Jahrzehnten
nicht unbedeutende Grundmauern vorhanden waren, aber seitdem namentlich zum Wege-
bau so in Anspruch genommen worden sind, dass jede Spur von dem ehemaligen Dorfe
verschwunden ist.

Hausen,

Kirchdorf mit 93 Einw. — das kleinste Dorf im Bezirk Arnstadt —, 6,9 km östlich
von Arnstadt, liegt an beiden Ufern der Wipfra.

Urkundliche Namensformen: 932 Husun und Husen, 1328 Husin, 1429
Husen.

Die Kirche St. . . , Filial von Marlishausen, ist ein sehr altes Gebäude; be-
sonders alt ist der östliche Theil, ursprünglich eine im romanischen Stile des 12. Jahr-
hunderts erbaute Capelle. Als man diese sodann vor langer Zeit nach W. hin verlängerte,
führte man den Anbau durchgehends so hoch auf, dass der ganze obere Theil desselben
als Thurm benutzt werden konnte, weshalb dieser eine der Kirche ganz gleiche Breite
hat. — An der Nordseite der Kirche befindet sich ein romanisches Portal mit einem
Thürbogenfeld (Tympanon), welches durch einen Mittelstab getheilt ist und zu beiden
Seiten je ein Weihkreuz und eine Rosette hat.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche einen aus dem 15. Jahrhundert
stammenden kunstfertig gearbeiteten silbernen und vergoldeten Abendmahlskelch
von 18 cm Höhe und 10 cm o. D. Er hat einen sechstheilig ausgeschweiften doppelten
Fuss, der durch eine zierliche Gallerie verbunden ist, und einen runden Knauf, auf
dessen 6 Köpfen die Buchstaben: M • A • R • I • A ■ H' und darüber auf der sechstheiligen
Stange des Kelchs die Buchstaben: AoMoIIoIoLoF f — Ave Maria, hilf — stehen.
Zu dem Kelche gehört ein gleich alter silberner und vergoldeter Hostienteller.

In der Kirche befindet sich eine alte Altartafel mit drei kunstfertig aus Holz

5*
loading ...