Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 70
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Niederwillingen.

weniger beträchtlichen Höhen begrenzt ist, und wird von der Wipfra durchflössen,
welche, aus "SW. kommend, dort durch die erwähnten Höhen genöthigt wird, ihren Lauf
nach NW. zu nehmen.

Urkundliche Namensformen: Tradit. Fuld. Wehelingen, 1286 Willingen —
können aber auch Oberwillingen bezeichnen sollen —, 1489 Niddernn Wellingen,
1492 Niddernwillingen.

Die Kirche St. . . , Filial von Oberwillingen, an der Nordseite des Dorfes auf
einer kleinen Anhöhe gelegen, ist alt und war ursprünglich sehr klein und düster;
1723 erhielt sie grössere Fenster, und 1780 wurde sie nach 0. hin ansehnlich ver-
längert.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche zwei Abendmahlskelche; der
ältere, kupfern und vergoldet, 17 cm hoch und mit 10 cm o. D., hat einen runden
Fuss und einen runden Knauf, auf dessen sechs Köpfen die Buchstaben I. H. E. S. V. S.
stehen; der neuere, silbern und vergoldet, 23 cm hoch und mit 11 cm o. D., ist unter-
halb des Knaufes und an der untern Hälfte des eigentlichen Kelches mit silbernen
Verzierungen umgeben; er hat die Inschrift: Von Gemeindegliedern. 1730.

Ueber dem Altäre befindet sich ein werthvolles Oelbild: die Geburt Christi, das
letzte Werk des churfürstlich-hannoverischen Malers und Zeichenlehrers Johann Lud-
wig Heil, geb. 1729 zu Arnstadt, gest. 1772 zu Ilfeld.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,7—0,91 und 0,70 m u. D. wurde die
grosse 1884 von C. Fr. Ulrich zu Apolda und die beiden andern 1834 von Robert
Mayer zu Ohrdruf gegossen.

Eine kleine Strecke nördlich von N. liegt das sogen, hohe Kreuz — 1480
Hochkrüz —, ein kleiner Ortstheil desselben, aus einem Gasthause und 3 Häusern
von Landwirthen bestehend. An demselben führt die Arnstadt- Stadtilmer Chaussee
vorüber. —

Zu dem Niedervvillinger Flurbezirke gehört das etwa 5,0 km südwestlich vom
Dorfe an der Arnstadt-Gehrener Chaussee gelegene

Lehmannsbrück,

— urkundlich 1289 Libansbrucken, 1310 Lybisb rücken, später lange Zeit hin-
durch Liebesbrücken — besteht gegenwärtig aus einem fürstlichen Forsthause und
einem Privatgasthause. In kirchlicher Beziehung gehört L. zum Bezirk Gehren und
ist in das etwa 3 km südlich davon gelegene Dorf Angstedt eingepfarrt.

In alten Zeiten lag westlich von dem jetzigen Forsthaüse das Dörfchen Libans-
brucken alias Lybisbrüoken, von welchem an seinem ehemaligen Standorte bis vor
kurzem noch manche Spuren vorhanden waren — die Umgrenzungen des Gottesackers
und innerhalb derselben Grabhügeln ähnliche Erhöhungen, sowie Ueborbleibsel von
einem Leichensteine. — Nach zwei über L. vorhandenen Urkunden war es von jeher
im Besitz der Grafen von Schwarzburg; nach der einen von 1289 eignet der Graf
Günther XII. dem Kloster Ilm ein Leyn (jedenfalls ein Ackermass) nebst einem Hofe
(curia) mit allen Zubehörungen in dem Dorfe (villa) Lybansbrucken zu, welche vorher
Günther, Albert und Hermann von „Wilrisleibin" zu Lehn hatten, und nach der
andern von 1310 schenkt Graf Heinrich VII., Herr zu Blankenburg, dem deutschen
Ritterorden — ein Bruder des genannten Grafen, Graf Günther XIV., war deutscher
Ordensritter — sechzehn Leyn zu Lybisbrücken, welche bis dahin Friedrich und Titzel
von Witzleben zu Lehn gehabt. Nach dem Untergange des Dörfchens befand sich an
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