Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 76
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Plaue.

legen, sedes Kirchheim, Mutterkirche von der zu Kleinbreitenbach — bis zur Ein-
führung der Reformation auch von der zu Dosdorf —, stammt mit ihrem ältesten
Theile aus der romanischen Bauperiode, wurde nach Einführung der Reformation nach
W. hin verlängert und erfuhr ums Jahr 1700 eine durchgreifende Restauration.

In derselben befindet sich an der nördlichen Wand des Altarraumes ein Sacra-
mentshäuschen mit sehr hübschen Steinmetzverzierungen und der Inschrift ANNO ■
DNI ■ Bf CCC ■ XXXI- — 3'" 3nt!K <>es Ejernt \55\ —. Zwar befinden sich am Ende
jener Zahl noch zwei dem C ähnliche Zeichen, welche verstellt sein und zu den andern
drei C gehören könnten (CCCCC), dann würde 1531 zu lesen sein;^aber es ist sehr
zu bezweifeln, dass man 1531, also in der Reformationszeit, noch ein Sacraments-
häuschen errichtete.

Ferner besitzt die Kirche einen hübschen Altarschrein mit 12 Figuren, die
aber, da ihnen die Attribute fehlen, nicht sicher zu bestimmen sind.

Auf dem Thurme, welcher zu den ältesten Theilen des Kirchengebäudes gehört,
wie man aus der romanischen Gestaltung seiner Fenstereinfassungen ersieht, hängen
die beiden Kirchengloken von 1,0 und 0,55 m u. D.; die grössere wurde 1827 von
Chr. Aug. Mayer zu Rudolstadt und die kleinere 1772 von W. Barth zu Erfurt ge-
gossen.

Die Capelle St. Sigismundi, unterhalb der Ehrenburg am Abhänge des Schloss-
berges gelegen, wurde wahrscheinlich bald nach Erbauung der eben genannten Burg,
welche kurz nach 1324 stattgefunden haben mag, gegründet und diente wohl zunächst
als Burgcapelle. Bereits in einer Urkunde von 1369 wird berichtet, dass der Convent
des Jungfrauenklosters zu Arnstadt dem Grafen Heinrich XII. das Patronat über die
Vicarie des Altars St. Andreae in der Liebfrauenkirche daselbst überträgt, wogegen
dieser dem genannten Jungfrauenkloster das Patronats- und Praesentationsrecht über
die Capelle „St. Segemundi in Ernberg" überlässt. — Nach der Zerstörung der Ehren-
burg blieb die Kapelle lange Zeit unbenutzt, so dass sie allmählich in gänzlichen Ver-
fall gerieth, bis sie im Jahre 1730 auf den alten Grundmauern wieder aufgebaut
wurde. Durch eine Renovation in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts ist auch ihr
Inneres sehr geschmackvoll hergerichtet worden.

In der Capelle und zwar über dem Altartische derselben befindet sich ein Ge-
mälde, die Einsetzung des heiligen Abendmahls, welches nicht ohne Kunstwerth ist,
und darüber ein kleiner sehr hübscher Altarschrein. Das Mittelstück stellt eine
Figur in vergoldeter Ritterkleidung mit Zepter und Schwert dar (den heiligen Wenzes-
laus?), zu dessen Seiten je ein Heiliger steht, der rechte Flügel zwei Bischöfe und der
linke Flügel eine männliche Figur mit einer Traube in der Hand (den heiligen Urba-
nus?) und eine weibliche Figur, in der einen Hand einen Krug haltend und in der
andern einen Teller, auf welchem zwei Fische liegen.

Die auf dem kleinen Thurme der Capelle hängende Glocke von 0,53 m u. D.
wurde 1834 von Franz Mayer zu Rudolstadt gegossen.

Ueber die Zeit, in welcher P. gegründet wurde, ist keine Kunde auf uns ge-
kommen; nur so viel ist gewiss, dass der ganze Ort anfänglich am rechten Ufer der
Gera lag, wo man noch gegenwärtig einige Gebäude desselben: die Liebfrauenkirche,
die Pfarrwohnung, das Schulhaus etc., findet. Als derselbe aber ums Jahr 1320 durch
einen schweren Unglücksfall, sei es durch eine Feuersbrunst, oder, was wahrscheinlicher
ist, durch eine Ueberschwemmung fast gänzlich zerstört worden war, bauten sich die
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