Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 78
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Plaue. — Reinsfeld.

Die Burg bildet ein fast gleichseitiges Quadrat; an der südwestlichen Ecke
springt ein gewaltiger gegen 45 m hoher fensterloser Thurm einige Fuss vor; die
Mauern der Burg sind noch 15 bis 16 m hoch.

Der innern Anlage nach besteht die Burg ans drei Räumen, von denen der erste
vom Portal aus, nach einigen noch vorhandenen Tragsteinen für das Gebälk zu ur-
theilen, 3 bis 4 Stockwerke gehabt zu haben scheint. Jn diesem Baume mögen sich
die Gelasse für die Dienerschaft, Waffen und dergl. befunden haben; dahinter ist ein
Raum mit dem einzigen noch erhaltenen Deckengewölbe und einem gewaltigen Kamin;
beide Räume haben statt der Fenster schiesschartenartige Oeffnungen. An diese
Räume grenzt links ein die ganze Seitenfront einnehmender Raum, zu dem eine rund-
bogige Thür aus dem Dienergelasse führt, und welcher die herrschaftlichen Gemächer
enthalten haben mag, welche in den höheren Stockwerken kleine Spitzbogenfenster
hatten.

Eine Zeit lang mögen wohl der Erbauer der Burg und seine Nachkommen zu-
weilen auf ihr Hof gehalten haben, von 1381 an aber war dies wohl weniger der Fall,
indem die direkten Nachkommen ihres Gründers, die Grafen Heinrich XVIII. und
Günther XXVIII., in dem erwähnten Jahre mit andern Besitzungen auch die Stadt
Plaue und die Ehrenburg an ihre Vettern, die Grafen Heinrich XX. und Günther XXIX.,
Herren zu Sondershausen, verkauften. Im Jahre 1407 übertrugen die letztgenannten
mit der Stadt Plaue auch die Ehrenburg dem Landgrafen Friedrich von Thüringen und
dem Markgrafen Wilhelm von Meissen zu Lehn auf und empfingen sie als solches zu-
rück; 1416 verpfändeten die Grafen beides an die Herren von Witzleben, 1482 an
Hans von Lichtenberg zum Geschwende, und zu Anfange des 16. Jahrhunderts soll
die Ehrenburg zerstört worden sein. —

Wie von dem Berge, auf welchem die ■ Ehrenburg liegt, so hat man auch von
dem Burghofe aus die Aussicht auf ein entzückendes Panorama. —

Wüstung. Zwischen Plaue und Gossel, einem südwestlich von ersterem ge-
legenen Dorfe, soll früher der Ort Dorfschaft gelegen haben und nach P. eingepfarrt
gewesen sein. Der Weg von dem ehemaligen Standorte desselben hierher heisst noch
immer der Kirchweg; sichtbare Spuren von dem Dörfchen sind aber nicht mehr
vorhanden. >—

lieber die unweit P. befindliche Wüstung Quittendorf vgl. Kleinbreitenbach. —

Reinsfeld,

Pfarrkirchdorf mit 210 Einw., 9,9 km südöstlich von Arnstadt, liegt in einem rei-
zenden Thalkessel, der nach W. und N. hin von ansehnlichen Höhen begrenzt und
von einem kleinen Bache, Gomsel oder Gumlitz genannt, durchflössen wird.

Urkundliche Namensformen: 1273 Rinsfeld, 1381 Rinszfeyld, 1489 Reyns-
feilt, 1495 Rynsfelt, 1506 Rinsfelt, 1533 Rinszfeldt.

Die Kirche St. . . , sedes Kirchheim, war bis zum Jahre 1856 Mutterkirche
von den Kirchen der Dörfer Wipfra und Schmerfeld, welche bis 1731 schwarzburgisch
waren, hierauf aber an Weimar abgetreten wurden. Sie ist, wie ihre Rundbogenfenster
bezeugen, sehr alt und stammt, wie auch der Thurm, aus dem 12. Jahrhunderte; im
15. Jahrhunderte jedoch erfuhr der Altarraum einen Umbau, aus welcher Zeit auch
das spitzbogige Fenster an der Südseite herrührt. Das in der Ostwand hinter der
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