Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 80
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Reinsfeld. — Röckhausen.

In dem untern Geschosse des Thurm.es befinden sich zwei kleine romanische
Fenster, von denen namentlich das auf der Nordseite, Fig. 38b, bildlich dar-
gestellt zu werden verdient. Das betr. kleine Rundbogenfenster ist in einen grossen
Stein eingehauen und von einer rahmenartigen Verzierung umgeben; an jeder Seite
desselben befindet sich ein Weihkreuz, und über dem einen derselben ist die Figur
eines Schachbrettes eingemeisselt.

Noch ist als nicht uninteressant zu erwähnen, dass der Zeichenlehrer W. Schmidt
aus Dresden, welcher vom Fürstlichen Alterthumsvereine zu Sondershausen beauftragt
war, die für vorliegendes Heft bestimmten älteren Bau- und Kunstdenkmäler zu zeich-
nen, in der dortigen Kirche unter der Tünche Gemälde al fresco, Fig. 38°,
nach seiner Angabe aus dem 12. Jahrhunderte stammend, auffand und 3 bis 4 qm der
Wandfläche freilegte. Auf der links vom Triumphbogen (der Bogen zwischen Schiff
und Altarraum) befindlichen Wand ist der heilige Nicolaus in Lebensgrösse abge-
malt, an der Nordseite des Schiffes zwei männliche Statuen mit farbigen Ge-
wändern, an der Südseite zwei Bogenschützen, welche nach einer sitzenden Figur zielen.

Leider gab der p. Schmidt erst nach seiner Abreise von dort Kunde über jenen
Fund, so dass die Sache damals nicht weiter verfolgt werden konnte, lieferte jedoch auf
Ersuchen nachträglich einen Theil der oben beschriebenen kleinen Skizze.

Wüstung. Auf dem westlich von II. gelegenen 585 m hohen Reinsberge stand
vor Alters eine Burg, die Reinsburg genannt, auf welcher einst Raubritter hausten,
welche namentlich auf der damals sehr lebhaften Strasse durch das Gerathal ihr ver-
brecherisches Gewerbe trieben. Dieses Baubscbloss soll zugleich mit vielen andern
1290 auf Befehl des Kaisers Rudolf von Habsburg zerstört worden sein, und es sind
von demselben nur noch ganz geringe Mauerreste vorhanden, die nicht die Mühe lohnen,
den ziemlich steilen Berg, auf welchem sie sich befinden, zu ersteigen; dagegen wird
diese Mühe dadurch aufs reichlichste vergolten, dass man von dem Gipfel jenes Berges
nach W., besonders aber nach S.O. und S. eine wahrhaft entzückende Aussicht ge-
niesst. —

Rockhausen,

Pfarrkirchdorf mit 247 Einw., 11,90 km nördlich von Arnstadt, dessen Flurbezirk,
ringsum von fremdem Gebiet umgeben, eine Enclave bildet, liegt in einem etwas
schmalen, von 0. nach W. sich senkenden Thale und wird von einem kleinen Bache
durchflössen.

Urkundliche Namensformen: 1194 Rochusen, 1257 Rockhusen, 1259 Boch-
liusin, 1277 Rogehusen, 1302 Ruchusen, 1309 Rochusin, Rockhusin, 150(3
Roghuson.

Nach dem Dorfe nannte sich ein Adelsgeschlecht, von welchem viele Glieder,
meistens als Zeugen bei Verträgen, urkundlich vorkommen. Ihr Stammsitz war wahr-
scheinlich das sog. Freigut dort, an der Nordseite des Dorfes gelegen.

Die Kirche St. . . . , sedes Kirchheim, bis 1653 Mutterkirche von der zu
Waltersleben, wurde 1690 erbaut, aber erst 1846 zum Andenken an Luthers dreihundert-
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