Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 83
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Siegelbach. — Witzleben.

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eines Altarschreins; auf der Vorderseite stehen zwei aus Holz geschnitzte reich ver-
goldete Figuren und auf der Bückseite die heilige Katharina mit einem zerbrochenen
Bade als Attribut, in Oel gemalt. —

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche einen silbernen und vergoldeten
Abendmahlskelch mit sechstheiligem Fuss und einem Crucifix auf demselben; der
Knauf ist mit getriebenen Bosetten und Blättern verziert, über demselben steht I. H. E.
S. V. S., unter demselben M. A. B. I. A; ferner eine silberne Hostienschachtel,
welche mit getriebenen Blumen versehen ist, und auf deren Deckel sich ein Kreuz
befindet.

Nach Siegelbach eingepfarrt ist die westlich davon am linken Ufer der Gera
gelegene Trieglismühle, zugleich auch Kestauration. Sie wurde 1836 neu erbaut;
aber an derselben Stelle oder in deren Nähe stand schon zu Anfange des 13. Jahr-
hunderts ein Mühlgebäude — urkundlich die Treygelsmühle genannt —, welche
nebst dabei gelegenen Weinbergen und andern Grundstücken von einem Grafen von
Kevernburg dem Kloster Georgenthal verehrt wurde.

Von den drei Kirchenglocken mit 0,76—0,58 und 0,37 m. u. D. wurde die
grosse 1406 gegossen und hat als Inschrift nur die Worte: ANNO. DNI ■ M. CCCC. VI. —
3m 3al?ve bcs Ejernt H06 — JOHB., die mittlere wurde 1777 von Michael Johann Mayer
zu Budolstadt gegossen, und die kleine — sie ist die kleinste in der ganzen Oberherr-
schaft — hat die Inschrift: ANNO DNI MDLXXXVII1. — 3,1t 3d1r bes £?ernt (588 —
GOS MICH ECKABDT KVCHEB ZV EBFVBT.

Wüstung. An einer etwa 2 km südöstlich von S. befindlichen und von Wald
umgebenen Stelle soll ehemals das Dörfchen Altsiegelbach gestanden haben, unter
dessen Gebäuden vornehmlich eine Mühle und eine Ziegelei erwähnt werden. Jetzt
findet sich dort keine Spur von Mauerwerk oder andern Ueberresten eines Wohnorts
mehr vor.

Witzleben,

Pfarrkirchdorf mit 326 Einw., 14,5 km östlich von Arnstadt und der östlichste Ort
des Bezirks, liegt in einem etwas flachen Thale, welches sich nach 0. zu der Ilm
hinabzieht.

Urkundliche Namensformen: Tradit. Fuld. Wizeleslebe, 1140 Wiceleibe,
1153 Wicheleiben, 1200 Wiccheleibe, 1310 Wiceleuben, 1322 Witzeleibin,
1362 Wiczleubin, 1453 Wiczeleuben, 1490 Witzeleuben, Witzlewben, 1494
Wytzeleuben, 1506 Witzlebenn.

W. ist der Stammort des gleichnamigen Bittergeschlechts, welches reich begütert
war, sich in verschiedenen Linien ausbreitete und vom 12. Jahrhundert bis auf die
Gegenwart bestanden hat und noch besteht. Die einzelnen Linien dieses Geschlechts
sind: die Elgersburger, Liebensteiner, Molschlebener, Wendelsteiner, welche
letztere sich wieder in die Berkaer, Fränkische und Wolmirstedter theilte. Aus
der Elgersburger ging die Angelröder hervor, in welcher das Haus Elgersburg
allein noch fortbesteht.

Die Kirche St. . . , sedes Alkersleben, ist sehr alt und stammt mit ihren

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