Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 86
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Der Bezirk Gehren,

Gehren,

auch Amt-Gehren genannt, Stadt mit 2106 Einw., unter 50° 39' nördl. Br., 28°
4<y östl. L. und 494 m über der Ostsee gelegen, mit einem fürstlichen Schlosse, liegt
auf einer Hochebene, die sich am Fusse des Thüringerwaldrückens da befindet, wo
die Thäler der Wohlrose und Schobser, welche dort einen sog. Gehren bilden — die
Stadt soll davon ihren Namen haben —, zusammenstossen und sich zu einer nach
K u. 0. hin erstreckenden Ebene ausbreiten. Die Wohlrose fliesst an der Südseite
der Stadt vorüber, die Schobser durch dieselbe, und beide vereinigen sich unterhalb
derselben. — G. ist der Knotenpunkt der Arnstadt-Breitenbacher und der Ilmenau-
Königseer Chaussee und Station der Ilmenau-Breitenbacher Secundärbahn.

Die Stadt zerfällt in drei Theile, in die eigentliche Stadt, in den sog. Stein-
bruch, welcher an ihrer Südseite liegt und 16 Häuser umfasst, und in den Theil bei
Günthersfeld, östlich von der Stadt gelegen und aus 6 Häusern bestehend.

Urkundliche Namensformen: 1318 Gern, 1429 bis 1481 zum Gehren, 1495
und 1506 wieder Gern, später zum Gehren, Gehren und Amt-Gehren.

G. hat zwei Kirchengebäude, die Stadtkirche und die Schlosscapelle.

Die Stadtkirche St. . . , sedes Alkersleben, wurde von 1830 bis 1834 an der
Stelle erbaut, an welcher die 1521 errichtete stand. Als der Baum der letzterwähnten,
in welche bis 1659 Möhrenbach und bis 1690 Jesuborn eingepfarrt waren, für die Zahl
der Kirchenbesucher nicht mehr ausreichte, erweiterte man sie, sah sich aber, da sie
im Laufe der Zeit sich gleichwohl wieder als zu klein erwies, überdies im Innern dunkel
und unzweckmässig eingerichtet war, zur Erbauung einer neuen Kirche genöthigt und
führte dies im Jahre 1729 aus. Sie wurde an der Stelle errichtet, an welcher gegen-
wärtig das Hauptschulgebäude steht. Leider brannte dieselbe bereits 1749 ab, und es
blieb der Gemeinde fürs erste nichts anderes übrig, als die alte Kirche, welche glück-
licherweise noch nicht abgebrochen worden war, wieder in Stand zu setzen. Während
dies geschah, von 1749 bis 1756, wurde der Gemeinde die dortige Schlosscapelle zum
gottesdienstlichen Gebrauche eingeräumt. Endlich, im Jahre 1830, brach man die alte
Kirche ab und errichtete an deren bisherigen Standorte die jetzige Stadtkirche, bis zu
deren Vollendung, 1834, der Gottesdienst wiederum in der Schlosscapelle gehalten wurde.

Von den heiligen Gefässen der Kirche sind" einige recht erwähnenswerth.

Ein silberner und vergoldeter Abendmahlskelch, 15,5 cm hoch und von 9,5
cm o. D., mit rundem Fusse, auf welchem sich ein Crucifix befindet, und mit durch-
brochenem Knauf, auf dessen 6 Köpfen die Buchstaben j. t. 5. tt. 5. und das Kreuzes-
zeichen (f) stehen. Ueber dem Knauf befindet sich die Umschrift: ftiff ijüf — und unter
demselben: fjiff mann.

Ein dergleichen, 16 cm hoch und von 10 cm o. D., mit sechstheilig ausge-
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