Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 96
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Gehren.

welchen man heutigen Tages in Thüringen wohl nur noch selten vorfindet. Er ist zwar
nicht mehr im Gebrauche, aber noch in gutem Zustande und befindet sich in einem
Corridore des westlichen Schlossflügels. Derselbe besteht ans zwei mit Löwenköpfen
und Flachornamenten geschmückten Voluten, welche zwei Consolen aufnehmen, auf
denen das Gesims ruht, und die im Feuerungsraume stehenden eisernen Ständer sind
mit broncenen Knäufen verziert. — Da er seiner ganzen Construction nach aus der
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammt, so verdankt er seine Aufstellung in Schloss
Gehren jedenfalls den schon genannten vier gräflichen Brüdern Günther, Anton Hein-
rich, Johann Günther und Christian Günther.

Eine seltene Zierrath haben ferner die Wände der Treppenaufgänge in sieben
gusseisernen Flachreliefplatten aufzuweisen, fünf im nördlichen, zwei im west-
lichen Flügel. In der Mitte der ersten von jenen, 1,24 m breit und 0,52 m hoch, be-
findet sich eine Nische mit der Figur der Gerechtigkeit und deren Attributen, links
davon die Auferstehung Christi mit der Unterschrift: ICH. BIN. DIE. AVFERSTEHVNG.
VND. DAS. LEBEN, und rechts die Opferung Isaaks. — Die zweite hat 6 Wappen-
schilder und dazwischen die Inschrift: GVNTHER. ANTON HEINBICH. HANS
GVNTHER. CHRISTIAN GVNTHER. GEBRVDERE. DER. VIER. GRAVEN. DES.
REICHS. GRAVEN. ZV SCHWARZBVRGK. VND HONSTEIN. ETC. ANNO. SALVTIS.
MDCIV. — 3m 3abrc bcs Ejeils 1604 —. Die dritte enthält links die Opferung Isaaks,
rechts die Figur des verlorenen Sohns mit der Unterschrift: ICK. HEBBE. GESVNDIGET.
IM. HIMMEL. Rechts davon die Figur der Gerechtigkeit, ein Löwe zu deren Füssen,
daneben eine Säule und die Jahreszahl 1576. — Die -vierte ist eine symbolische Dar-
stellung des Friedens und Unfriedens. Unter der Ueberschrift: VNFRIEDEN" treibt
ein Ritter mit dem Schwerte ein feuriges Ross auf eine unter der Ueberschrift: SIN-
CERE ET CONSTANTER — aufrichtig nuö beftänbtg — stehende weibliche Figur mit einem
Palmzweige. Unter dieser Scene sieht man auf Seiten des Unfriedens einen Mann
mit dem Schwerte auf einen andern eindringen, der sich mit einem Dreschflegel ent-
gegenstellt, und auf Seiten des Friedens ein Liebespaar in einer Laube. — Die fünfte
Platte stellt den Eingang der Seligen in den Himmel unter Leitung der Geistlichkeit
dar und hat die Ueberschrift: WAHRLICH. ICH. SAGE. EVCH. ICH. BIN. DIE. THVR.
ZV. DEN. SCHAFEN. SO. IEMAND. DVRCH. MICH. EINGEHET. DER. WIRD.
SELIG. WERDEN. VND. WIRD. EIN. VND. AVSGEHEN. VND. WEIDE. FINDEN.
IOHANN. AM. 10. CAP. -

Von den beiden Platten auf dem Treppenaufgange des westlichen Flügels ist die
eine der zweiten im Nordflügel gleich, die andere aber — s. Fig. 47 — stellt eine

Fig. 47.

Eine der gusseisernen Platten in den Treppenaufgängen des Schlosses Gehren.

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