Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 98
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Altenfeld. — Angstedt.

es seinen eigenen Pfarrer, welcher auch zugleich das Schulamt zu verwalten hatte.
Die Vereinigung beider Aemter bestand bis 1766, in welchem Jahre der Ort einen
besonderen Lehrer erhielt. — Von 1856 bis 1884 war das Dorf Neustadt nach A.
eingepfarrt; doch hatte der Pfarrer alle 14 Tage Gottesdienst in dem Schulzimmer zn
Neustadt zu halten.

Im Innern der Kirche und zwar in der Nähe des Taufsteins befinden sich zwei
Denksteine; sie bezeichnen die Grabstätten des Wiegand'schen Ehepaares, welches
der Gemeinde den Platz zur Kirche und zum Gottesacker geschenkt hat.

Die drei Kirchenglocken von 0,77,-0,56 und 0,47 m u. D. hängen in einem
an der Ostseite des Gottesackers erbauten Glockenhause; die grosse wurde 1751 von
Joh. Andreas Mayer, die mittlere 1832 von Joh. Friedr. Albrecht und die kleine 1765
von Joh. Albrecht Mayer, sämtlich zu Coburg, gegossen.

Altenfeld ist eins der jüngsten Dörfer des Pürstenthums, indem es erst 1646
gegründet wurde. In dem erwähnten Jahre siedelten sich nämlich dort 2 Familien
als Glasmacher an, erbauten 2 sog. Meisterhäuser und eine Glashütte, und Glas-
fabrikation wurde und blieb eine Hauptbeschäftigung der dortigen Bewohner bis heute.

Wie schon angedeutet, mögen lange vor der Gründung Altenfelds an dessen
Standorte Niederlassungen stattgefunden haben, aber wieder eingegangen sein. Ver-
anlassung zur Gründung derselben mag der Bergbau gegeben haben, welcher in dorti-
ger Gegend ehemals fleissig betrieben wurde. Dass dies aber auch in der Nähe des
jetzigen Dorfes Altenfeld der Fall war, bezeugen noch die Namen zweier Berge west-
lich von A., Erfurter Stollen und Goldberg, sowie der Name Schmelzhütte,
welchen eine Mühle östlich von A. darum führt, weil ehemals in derselben das aus
dem Silberbergwerke im Keischelthale gewonnene Erz geschmolzen worden sein soll. —

Angstedt,

Pfarrkirchdorf mit 824 Einw., 6,5 km nordöstlich von Gehren, liegt am rechten Ufer
der Ilm und wird von der Arnstadt-Gehrener Chaussee durchschnitten.

Urkundliche Namensformen: 1282 Anckenstete, 1292 Ankenstete, 1389
Anckelstete, 1495 Anxstedt, 1501 Angstet und Angestet.

Die Kirche St. Mariae, sedes Alkersleben, Mutterkirche von der zu Wümbach,
wurde von 1827 bis 1831 neu erbaut und liegt auf einer Anhöhe im westlichen
Theile des Dorfes. Ihre Vorgängerin stammte aus dem 13. Jahrhunderte, aber der
zugleich mit ihr abgebrochene Thurm soll von der im 11. Jahrhunderte erbauten Kirche
hergerührt haben. Nach einer noch vorhandenen. Urkunde wurde die im 13. Jahr-
hunderte gegründete Kirche daselbst im Auftrage des Erzbischofs von Mainz durch den
Bischof Christoph von Samland am zweiten Sonntage nach Ostern 1282 der heiligen
Jungfrau Maria, dem h. Nicolaus und allen Heiligen geweiht; zugleich fundirten die
Grafen Günther IX. und Heinrich V. von Schwarzburg, sowie Graf Günther VII. oder
VIII. von Kevernburg die Pfarrei daselbst aufs neue und dotirten sie mit je einer Hufe
Landes zu Grevenhowe (Gräfinau), Sybotendorf (jetzt Kottendorf), Wintbach (Wümbach)
und in jeder Ortschaft ihres- Besitzthums, „Heide" genannt, sobald daselbst eine
solche gegründet worden wäre.
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