Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 100
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Garsitz. — Gillersdorf.

— der eine erstreckt sich sogar über dieselbe herüber —, dass sie hier nicht wohl
unerwähnt bleiben durften. Der erstgenannte ist ein in Felsen eingehauener Stuhl,
dessen Lehne bis vor etwa 60 Jahren mit dem Kelief-Brustbilde eines Mönchs
verziert war, und der seinen Ursprung wohl jedenfalls den ehemals Bergbau treibenden
Mönchen des Klosters Paulinzelle zu verdanken haben mag. Von jenem Stuhle aus
hat man, von einer geschützten Nische umgeben, eine weite und schöne Aussicht.

Unter der sog. Mönchskirche, nur 5,0 m nördlich vom Mönchsstuhle entfernt,
verstand man bis zum Jahre 1878 nur einen 1,0 m breiten, 2,0 m tiefen und 2,0 m
hohen Felsspalt, der sich, wie eine in jenem Jahre vorgenommene Nachgrabung ergab,
bei einer Tiefe von etwa 4,0 m nach W. hin zu einer kleinen mit Tropfsteingebilden
versehenen Höhle erweiterte und sich bis unter die Oberfläche des diesseitigen Gebiets
erstreckt. Sie ist über meterhoch mit Ackererde gefüllt und war früher jedenfalls
offen, da sich am Ende derselben Scherben von irdenen Gelassen und Knochen
vorlinden. —

Gillersdorf,

Pfarrkirchdorf mit 615 Einw., 10,5 km südöstlich von Gehren, liegt in einer
schwachen Einsenknng des südlichen Abhanges des Langenberges und wird von einem
kleinen Bache, die Gille genannt, durchflössen, der sich unterhalb der Stadt Breiten-
bach mit dem Flüsschen Breitenbach vereinigt. — Nach G. und dem Dorfe Neustadt
führt eine Station der Ilmenau-Breitenbacher Secundärbahn den Namen Neustadt-
Gillersdorf; sie ist jedoch von G. gegen 3,0 km entfernt und befindet sich in dem
Breitenbacher Flurbezirk.

Urkundliche Namensformen: 1506 Gilszdorff, 1594 Gillersztorff.

Die Kirche St. . . ., sedes Alkersleben, wurde bald nach 1825 neu aufgeführt,
nachdem die vorige, noch aus der vorreformatorischen Zeit stammende in dem erwähnten
Jahre bis auf die Grundmauern abgebrannt war. — Bis 1788 war G. zuerst Filial von
dem rudolstädtischen Dorfe Herschdorf, dann von Breitenbach, erhielt aber in dem
erwähnten Jahre einen eigenen Pfarrer. Von da an ist das rudolstädtische Dorf Frieders-
dorf dahin eingepfarrt und seit 1868 Willmersdorf Filial. —

Von den drei Kirchenglocken, welche in einem westlich von der Kirche
gelegenen Glockenhause hängen, hat die grosse mit 1,7 m u. D. die Inschrift: DAS
BEI DEM BRANDE 1825 ZERSTÖRTE GEL2EVTE WVRDE VON DEN GEMEINDEN
GILLERSDORF VND FRIEDERSDORF 1827 WIEDERHERGESTELLT VON CHRIST.
AVG. MATER ZV RVDOLSTADT. Die mittlere Glocke von 0,88 m u. D. wurde
zugleich mit der grossen und die kleine von 0,72 m u. D. 1859 von Gebr. Ulrich zu
Laucha gegossen.
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