Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 103
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1887bd2/0112
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Grossbreitenbach.

103

von Paulus Seeger zu Gotha gegossen, die mittlere ist die dritte Nachfolgerin von
derjenigen, welche nach der Sage ehemals auf der Wüstung Schwembach von einem
Schweine ausgewühlt wurde; letztere ward, nachdem sie gesprungen, 16S7 umgegossen,
diese, nachdem sie dasselbe Schicksal gehabt, 1764 und wiederum 1867 umgegossen,
das letztemal von Robert Mayer zu Ohrdruf mit der Inschrift: Am Schwembach
ich verborgen lag, ein Schwein mich ausgegraben hat. ■— Die kleine Glocke
wurde 1872 ebenfalls von Robert Mayer gegossen.

Profangebäude. Unter den Profangebäuden der Stadt ist nur das Schloss
oder Herrenhaus der Grafen resp. der Pürsten von Schwarzburg-Sondershausen be-
sonders hervorzuheben, aber weniger in baulicher Beziehung, als darum, weil es einst,
vornehmlich zur Jagdzeit, ein Lieblingsanfonthalt seiner Besitzer war. Während des
18. Jahrhunderts hielten auf demselben die Fürsten Heinrich und Christian Günther
öfters Hof; als dies später nicht mehr der Fall war, wurde dasselbe den fürstlichen
Forstbeamten als Dienstwohnung überwiesen, 1842 aber ging es in Privatbesitz über.
Seitdem wurde es durch einen bedeutenden Umbau in ein grosses Handelsetablissement
für Porcellan und namentlich für gemalte Porcellanwaaren umgewandelt.

Was die ehemaligen Beschäftigungen der Bewohner von Grossbreitenbach
betrifft, so ist derselben zwar schon in der Einleitung gedacht worden, aber es dürfte
dem hier noch beizufügen sein, dass Porcellan-Fabrikation und -Malerei nicht blos noch
immer zu den Hauptbeschäftigungen seiner Bewohner gehören und einen ausgezeichneten
Ruf geniessen, sondern dass die Stadt auch gewissermassen die Geburtsstätte der
Porcellanfabriken Thüringens ist. Im Jahre 1779 legte nämlich der Cammerjunker und
Major Ernst Anton von Hopfgarten daselbst die erstePorcellanfabrik in Thüringen
an, und erst von dort aus verpflanzte sich die Porcellanfabrication in andere Städte und
Ortschaften Thüringens. —

Geschichtliches. Grossbreitenbach soll schon in ziemlich früher Zeit ge-
gründet worden, aber längere Zeit hindurch ein kleiner, unbedeutender Ort geblieben
sein, bis es durch Zuzug aus den Dörfern Schwembach und Witzleben, nachdem diese
durch irgend einen Unfall ihren Untergang gefunden, eine beträchtliche Erweiterung
erfuhr. Im 15. Jahrhundert erhielt es, obwohl noch Dorf, von den Landesherren
gewisse Vorrechte vor andern Dörfern, im 16. Jahrhundert wurde es zu einem Flecken
erhoben und mit dem Rechte begnadet, alljährlich vier Märkte zu halten. Seine Statuten
als Stadtflecken stammen aus dem Jahre 1621, und im Jahre 1855 erhielt es mit dem
Namen auch die Rechte einer Stadt.

Das Wappen der Stadt ist ein wilder Mann, welcher in der rechten Hand
ein grosses Anhängeschloss und in der linken Hand zwei Schlüssel hält mit der
Umschrift: Der Gemeine zu Breitenbach V. D. T. W. S. — d. i. Verehrt Das Thü-
ringer Waldschloss —. Der eine Schlüssel dient zum Auf-, der andere zum Zuschliessen
des Schlosses. An einem der Schlüssel stehen die Buchstaben: B. B. R. G. — d. i.
Breiten-Bacher Rath Gegeben —. Man hat also dem Rath der Gemeinde Breitenbach
jenes Schloss als ein Zeichen verehrt, dass er das Recht und die Pflicht habe, dem
Feinde die Thüringerwald-Strassen zu verschliessen.

Wüstungen. In der Flur von Br. befinden sich drei Wüstungen, die von einer
Burg oder einem Schlosse, dem Contra- oder C anterschlosse, und die von 2
Dörfern, Witzleben .und Schwem- oder Schweinebach.
loading ...