Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 105
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Jesuborn — Langewiesen.

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Sporen angethan, welcher aber bei der Berührung in Staub zerfiel. Da die ältesten
Besitzer des Bitterguts zu J., die Herren von Bernstedt, ihr Erbbegräbniss in der
Kirche zu Gehren hatten, so mag jener Leichnam wohl der eines spätem Ritterguts-
besitzers dort gewesen sein, wahrscheinlich der des Berghauptmanns und Jägermeisters
Christoph von Kropf, welcher 1693 zu J. starb und in der Capelle daselbst be-
stattet wurde. —

Die drei Kirchenglocken von 0,78,—0,65 und 0,53 m u. D. wurden sämtlich
1749 von Johannes Beer zu Rudolstadt gegossen. Sie hängen in dem untern Räume
eines ansehnlichen Glockenhauses, während sich in dessen oberem Räume die Dorfuhr
befindet.

Das Dorf J. war, bevor es schwarzburgisch wurde, im Besitz der Grafen von
Gleichen. Nach einer Urkunde von 1368 eigenen die Grafen Heinrich und Ernst
von Gleichen das Dorf mit den Gerichten über Hals und Hand dem Kloster Ilm für
ewige Zeiten zu. — Begütert zu J. waren aber auch die Herren von Bernstedt, hatten
daselbst einen Rittersitz und waren überdies von den Grafen von Gleichen mit mancherlei
Gerechtigkeiten belehnt worden; als sie aber 1481 auch die Gerichte daselbst beanspruchten
und dadurch zwischen ihnen und dem Kloster Ilm Streit entstand, schlichteten die ge-
nannten Grafen denselben zu Gunsten des Klosters. —

Langewiesen,

Stadt mit 2214 Einw., 3,5 km nordwestlich von Gehren, liegt am östlichen Fasse des
Oehrenberges und in einem schönen, zwei Stunden langen und von der Ilm durch-
strömten Wiesengrunde; sie wird von der Ilm in 2 ungleiche Hälften getheilt und von
der Ilmenau-Gehrener Chaussee, sowie von der Umenau-Breitenbacher Secundärbahn
durchschnitten, welche letztere daselbst eine Station hat.

Urkundliche Namensformen: 1074 Longawitzi, 1198 Longewissen, 1370
zur Langenwiesen, 1401 Dorf zu der langen Wiesen, 1408 zu der Lange-
wiesen, 1486 Lange Wese, die Langewesen, 1489 Flecken die hingewiesen.

L. hat zwei Gotteshäuser, die Kirche Unserer-Lieben-Frauen und die Kirche
St. Petri.

Die Liebfrauenkirche, sedes Alkersleben, mitten in der Stadt an der Haupt-
strasse gelegen, wurde von 1675 bis 1680 fast von Grund auf neu erbaut, nachdem
ihre aus dem Jahre 1404 stammende Vorgängerin bei der grossen Feuersbrunst, von
welcher L. 1675 betroffen wurde, bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Während
der langen Zeit ihres Wiederaufbaues wurden die gottesdienstliohen Versammlungen
der Gemeinde in der Petrikirche gehalten.

Das Innere der Kirche ist hell und freundlich, die Kanzel mit einigen geschmack-
vollen Holzschnitzereien versehen, und der Altartisch besteht aus einer einzigen grossen
Steinplatte; letztere wurde der Kirche 1679 von Hans Wilhelm Marschalck zu Dann-
heim verehrt.

Bis zum Jahre 1740 waren die Bewohner von Oehrenstock nach L. eingepfarrt.
Von den drei Kirch englocken mit 1,18,-0,95 und 0,75 m u. D., welche auf
dem stattlichen, gegen 50 m hohen Thurme hängen und ein schönes harmonisches
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