Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 2): Die Oberherrschaft — Sondershausen, 1887

Seite: 109
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Möhrenbach. — Neustadt.

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noch von der vorigen Kirche stammender Stein hat die Inschrift: DIESE KIRCHE
STEHT IN GOTTES HAND, DASS DEM CHRISTEN GOTTES WORT WERD
WOHLBEKANNT. 1657.

Zuerst hatte M. nur eine kleine Capelle, welche an der Stelle lag, wo das jetzige
Pfarrhaus steht; sie wird bereits 1588 als sehr alt geschildert, aber es kam erst von
1657 bis 1659 zur Erbauung der oben erwähnten Kirche. Dieser verehrte der Graf
Christian Günther II. den schönen Hochaltar, welcher bis 1642 in der Liebfräuenkirche
zu Arnstadt gestanden hatte. Leider wurde derselbe bei dem Brande 1811 mit der
Kirche ein Opfer der Flammen. — Erst nach Vollendung der ersten Kirche, 1659, er-
hielt M. seinen eigenen Pfarrer; bis dahin war es nach Gehren eingepfarrt gewesen,
doch auch in seiner Capelle einigemal des Jahres Gottesdienst gehalten worden.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,6,—0,86 und 0,68 m u. D., welche in
einem oberhalb der Kirche gelegenen Glockenhause hängen, wurden die grosse und
mittlere 1811 von Christ. Aug. Mayer zu Rudolstadt, die kleine 1873 von C. Er. Ulrich
zu Apolda gegossen; sie zeichnen sich durch ihr harmonisches Geläute aus.

M. war, gleich Gehren, lange Zeit ein freies Besitzthum der Familie von Berl-
stedt; nachmals aber mochte diese dasselbe den Grafen von Schwarzburg zu Lelm
aufgetragen und als solches zurückempfangen haben; denn nach einer Urkunde von
1374 verkaufen Titzel und Heinrich von Berlstedt mit Consens der gen. Grafen ihr
Dorf „Mörenbach" um 150 S" guter Pfennige wiedeikäuflich auf 6 Jahr dem Kloster Ilm.

Wie in verschiedenen Gegenden der Herrschaft Gehren, so wurde namentlich
in der Flur von M. in alter Zeit fleissig Bergbau getrieben, welcher als eine Quelle
guten Verdienstes mehr und mehr Bergleute herbeizog, die sich auch häufig daselbst
ansiedelten und so zu der Vergrösserung des Dorfes beitrugen. Noch jetzt findet man
südlich von M. am Langenberge alte Stollen, in welchen man auf Eisen grab — der
Weg dahin heisst noch der Eisenweg —, und die obersten Häuser des Ortstheiles
Porzel haben den Namen Pochwerk von dem einst dort befindlichen Pochwerk.
Ebenso heisst ein nahe bei M. gelegener Berg Silberberg, weil man in demselben
auf silberhaltiges Kupfer grub. —

Neustadt,

zur Unterscheidung von den gleichnamigen Orten Neustadt am Rennsteige, Kirch-
dorf mit 447 Einw., 11,0 km südwestlich von Gehren, wird von der Witzleben-
Kahlerfschen Chaussee — diesen Namen führt sie von der Wüstung Witzleben,
wo sie beginnt, und von dem meiningischen Gasthause Kahlert, nach welchem sie
führt, — durchschnitten, welche dort in den Rennsteig einmündet, der westlich hinter
dem Dorfe hinabläuft und dann die Grenze zwischen diesem und dem meiningischen
Dorfe Neustadt bildet.

N. wurde ums Jahr 1700 gegründet und ist der jüngste und höchstgelegene Ort
des Fürstenthums — das oberste Haus dort liegt 780 m über der Ostsee —. Nach N.
und dem Dorfe Gillersdorf führt eine Station der Ilmenau-Breitenbacher Secundärbahn
den Namen Neustadt-Gillersdorf; sie liegt jedoch gegen 4,0 km östlich von N. im
Breitenbacher Flurbezirk.
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