Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

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attdern Urtheil- vorgreiftn, ja ich g-stehe gern, daß Passow
Erklarung mir ftlbft sehr gefallen würde, wenn nicht so man-

Orakelgefäß gebildec seyn sollre, wofur es auch Eckhel, der alle jene Mün»
zen selbst vor Augen gehabt hattc, hälc. Ooctr. dl. Ver. V. I, x. 224.
Hieiu kommt, daß der Orakelgorr s-lbst auf dieser Halbkuzel, Orakel erthei«
tend, in alten Vildwerken erscheinr, wohin besonderS da§ merkwürdige
Townleysche Relief gehört, wo drei Menschen den Gott befragen und Dia-
na und Larona alS Fücbitterinnen crscheinen, zuerst bei Cavacepyi ge«
tildet, in seiner R.acLoIta, V III. rav. i. und nun auch in dcn IVlar-
dlaa ok tlia Lririslr IVlnserrm I?arr. II. ^I. Z. mit CombeS Con»
menrar. So wie nun hier der Eott, auf jener Halbkugcl fitzend, daS
Orakcl spricht, so erscheinr er auch auf zahlreichen Münzen der ersten vier
Könige Antiochus von Syrien, z. V. bei Pellerin IVlLclaillss äes Hoia
xl. VIII. x. 72. und in ähnlicher Veziehung, weil der dclphische Gorc
für den Stammvater gehalten wurde, auf ciner seltnen Münze deS Niko-
kleS, KönigS von PaphoS, bei Eckhel Nuini airscclori talo, XIV- 3.
Ls hält schwer, in diescn Abbildungen den Apollo stetS auf dem marmor-
nen Erdnabel fitzend zu denken. Auch in Wasenbildern sehen wir Apollo
alS Orakelgvcc sitzend, wie auS dem Lorbeerbaum zu schließen ist, den er
In der Hand hält, und vor ihm Liese mit einer schon gewirkten Decke
bchangene Halbkugel, wie auf eincr der schönsten Wasen der Lambergi-
schen Sammlung, wie fie Lab 0 rde publizirt har. dollecrion cles vsses
6recs <Is IVI. 1s Lorrits äs H>air>Irer'g. V. i. ^>1. XXVII. (von Laborde
alS Axokheose der Helena erklärt) womit man in eben diesem Wcrke xl.
.XXXIV- verbinden kann, wo stakt dieser Halbkugel der Drcifuß neben
dem Orakelgokt angebracht ist. Wielleicht fand in der Meinung der del-
phischen Priesterschaft der Unterschied statt, daß die Pythia auf dem Drsi,
suß fitzend, der Gott selbst aber auch bloß auf der Cortina rhroncnd zu-
weilen anrworcc, wenn auch beim EuripideS (Jon 366. Jphigcnia in
Taur. 12LZ) und andern alten Dichtern ber Gort alS wirklich auf dem
Dreifuß Orakel errheilend (L^ö)V/tro§ nach SophoklcS >m Lt)i». IVI. s.
v. x^o-V/rr- x. 512. I,ixs.) vorgcstcllt wird. So bliebe eS denn
freilich dabci, Laß in allem dicsem nur von einer Corrina, eincm Schall«
kessel, die Rede seyn könne. Die vom EcatSrath ThorlaciuS 1826 in
Copenhagen cdirte Wase des Prinzcn Christian mit Lcm an den Dreifuß
geflüchtercn OresteS dars bei diescr ganzen Unlersuchung cben so wenig über<
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