Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 32
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men Alpheos unb Arethusa verchrt stin sollen, so behaup-
tete er, sie müße in

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verbessert werden. Man sah bald das Nichtige von Mont-
faucon's Vermuthung und eingebildeter Verbesserung ein,
behielt aber die nicht weniger falsche Venennung der Kö-
pfe bei, wclche auch Visconti billigte, dem Alpheos und
Arcthvn Steinschneider sind'). Was nun diefe Bildnisse
Letrist, so kann die ihnen bis jczt gcgebene Benennung
uicht ftatt finden, denn beide haben nicht die gcringste
Achnlichkeit mit Germanicus und Agrippina, es sind zwei
unbekannte Wl'ldniße, die wegen dcr Art dcs wciblichcn
Haarschmncks nach Augustus um die Zcit stincr beiden
Nachfolgcr gelebt haben mögcn. Jn der Aufschrift scheint
di'e Verwecbsclung dcs L/ mit // aus der gleichcn Aus-
sprache, wclche der Diphthong mit dem Selbstlauter hatte,
Anlaß gegeben zu haben.

Jch bemerke, daß die hier genanntcn Alpheos und Are-
thon unmöglich Steinschnei'dcr gewescn sein können. Denn
niemand wird es wahrscheinlich finden, daß nach dem Zeit«
alter dcs Augustus, wo das Steinschneiden, thei'ls als
Handwerk zur Fertigung der Si'cgelsteine, thei'ls als sthr
hoch gcschäzte Kunst so eifrig geübt wurde, zwei Brustbil-
der auf cinem nicht großen Camce, die ein Künstler in kur-
zer Zeit vollenden konnte, von zwci dazu vereinten Stein-
schneidcrn sollten gearbeitet worden stin. Mari'ette und
Caylus fühlten diese Schwierigkeit wohl, konnten sich aber
dcmungeachtct ni'cht von dem Gedanken trennen, daß hier
die Vcrfasscr des Camee gcnannt stin müßten. Weit ent-
fernt ctwas Neucs sagen zu wollcn, sondern weil die bis-
herige Auslegung der Jnschrift abgcschmackt und unzulaßig

l) kelilliir Intracluct. u 1'blruäo äosx. 66.
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