Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 46
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gehaltcn, die berühmte Satyrlarve des jungen Buonaroti
in Florenz zurück! Die Jnschrist ist alt, vom leztcn Buch-
stnben hat sich nur der oberste Strich crhaltcn und von ihr
jst der Name Scylax, als der eines Steinschneidcrs, auf
viele neue Gemmcn mit vcrfalschter Vcischrift übcrgegangen.
Auf dem Amethyste sind di'e Buchstabcn, nicht wie die dcs
Namens eincs Künstlers sorgfältig zart und klcin, sondern
wie die der Besitzer, oder wie andere Worte auf so vielerr
Masken und bakchischen Denkmalern, dcren Bedcutung zu-
werlen schwer zu errathen ist, gcschnitten. Scylax darf da-
her nicht als Name eines Stei'nschneidcrs gelten, sonderir
viclmehr als der des Besitzers oder eincs Schauspielcrs.
Visconti nennt in seinem Verzcichnisse dcr alten Stein-
schneider zwei neue unbedeutende Steine, die er für alt
hält'), und diesen in seincr Art einzigen, den einzig äch-
ten mit dcs Scylax Namcn, eine Gemme von der vortrcf-
lichsten Arbei't, übergehet er.

i5) Eine tragische vorwärts gewandte Maske auf ei-
nem Carncole, der vormals dem Fürstcn Jablonovski gc-
hörte, unter ihr die Aufschrift ^71(7^02^ ward von
Bracci bekannt gcmacht ^). Jst die Schri'ft alt, so kann
sie niemals für den Namen des Künstlers, wie Bracci
glaubte, sondern nur für den des Bcsitzers odcr, wie viel-
leicht manche unter Maskcn gcschriebene Namen, für den
einer vom Besitzer des Stcincs auf dex Bühne dargestcllten
Nolle gclten. Leztcre Vermuthung bekräftigen die auf ge-
malten Gefäßen Satyrn und Faunen beigeschri'cbenen, uns
mcistcns völlig unbekannten Namen. Bracci beruft sich
bci der Erklärung diescs Stcincs auf cinen Carneol der
Nendorpschen Sammlung mit ciner komischen Maske und


r) Ä7illln, Introck. 73.
2) Liaoc:i, I. 2?.
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