Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 103
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welche jener Dorausfttzung durch den alterthümlichen Stil
beider Figuren erwächst, bieten bei einfachster Anordnung
und bei fast völligem Mangel an Abzeichen zwei Bcsonder-
heiten zur Möglichkeit einer Begriffsbestimmung st'ch dar;
der bärtige Gott ist verschleiert, die ncben ihm sttzende
Göttin über der Stirn mit einer 'Scheibe geschmückt, wel-
che sich in ähnlichem Götterkostüm als der, von sei'ner An,
deutung des Himmclsgewölbes sogenannte, Polos bekundet.
Die Deutung sucht auf den Grund dieser Anzeichcn zu-
nächst nach Göttern, dencn eine Verschleierung zustand;
am bekanntcsten ist eine solche an Bildcrn des Kronos,
aber Kronos und Rhca sind im Cultus ein sehr ungewöhn-
liches Götterpaar, und da sich unter wenig Beispkelen an-
dcrcr verschlcierter Götter ein und der andre verschleierte
Zeus vorsindet, so kann die Deutung füglich bei einem
Zeus beruhen, deffen Verschleierung, nach den verschiedenen
Geltungen eines in der allgcmeinen Götteridee seines Na-
mcns clsus) vieldeutig ausgesprochenen und nach-

wcislichen Hcrrschergottcs, den düstern Charakter der älte-
sten, zugleich himmlisch und unterirdisch gedachten, Zeus-
bilder anzudeuten bestimmt war. Einer solchen allcrdings
sehr allgemeincn, dafür abcr von unbegründeten Vermu-
thungen freien Deutung fügt sich dann auch der Polos am
Haupte der beisitzenden Göttin. Dieser Polos kann, seiner
nachweislichen Bedeutung als Himmelsgewölbe entsprechend,
nur eine Göttin bezeichnen, der als Beisi'tzcrin dcs Zeus
die Geltung ciner Himmelsbeherrscherin zustand. Hienach
kann si'e denn jeden Namen führen, den die Beisitzcrtn ei-
nes über Himmel und Unterwelt mächtigen Zeus überhaupt
zu führen vermag; wie Artemis oft neben Zeus verehrt
wurde, konnte sie Artemis, aus gleichem Grund Aphrodite
oder Pcrftphone odcr auf manche andere Weise benannt
sein, dagegen eine behutsame Kunsterklärung sie am lieb-
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