Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 121
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n»'g diese bek eknem Bildervorrath, der dke uns geläusigste
Römksche Zeit wekt überragt, irgend genügen können, zeigt
jedcr Blick in das Wcchselspiel altcr Götternamen und Göt«

. terdienste und ist von den umfassendftcn Kcnnern alter
Bildwerke, mamentlich von Zoega, wohl gefühlt worden.
Wenn dieser große Forscher aus dcm Gefühl jener Unzu-
länglichkeit nicht sclten zu schr willkührlicher Anwendung
vcrsteckter Götternamen auf Bildwerke eigenthümlichen Schlar
ges verleitet wurde, was bleibt denen, die sich an solchen
Wagstücken spiegeln können, anderes übrig, als zunächst ei-
ne Erkenntniß der alten Götterbilder nach ihrem, durch
mehr oder weiügcr prägnante, aber doch jedenfalls durch
bedeutsame, Symbole ausgedrücktcn Begriff?

Jn einer solchen Erkenntniß des den alten Götterbil-
dern inwohnenden Begriffcs und in der Erforschung des-
scn, was in alter Bildersprache gesetzmäßig und entschieden
bedcutsam ist, habe ich demnach zunächst den Schlüffcl für
zahlreiche archäologische Räthsel gcsucht, die dermalen zur
Lösung noch nicht reif, in einer vereinzelten Betrachtung
solcher Lösung gar nicht fähig sein dürften. Das ist ge-
wiß und jcdes folgende Heft meiner Bildwerke wird cs be-
stäti'gen (das dritte, in dem ich Mystcrienbi'lder gebe, viel-
leicht am meisten), daß wedcr die gewöhnlichen Götterna-
men und Begriffe für unsercn Kunstbedarf auslangen, noch
vollends die wirklichcn Mythcndarstellungcn, deren über-
wiegender Reiz sie am häusigsten in unsern Kupserwer-
ken erblicken läßt, eine so unverhältnißmäßige Stelle in
unserem Antikenvorrath und in unsercr Kunsterklarung ein-
nchmen dürfen als bisher; das ist noch gewiffer, daß,
wenn die Erklärung mythischcr Dildwerke fcrner, wie so
hausig, sich eiuf bloße Nachweisung der schriftlichen Zeug-
niffe in den Bildwerken und auf Verweisung des Unerklär-
lichen an verlorene Mythenbeschreiber beschränken sollte.
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