Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 127
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Dke älleste Quelle der Erzählung ist für uns Apol--
lodor -). Herakles hatte seinen Tastfreund, den Oichalier
Jphitos, Eurytos Sohn, arglistigerweise erschlagen. Die
Götter züchtigten ihn für die Frevelthat durch eine Krank-
heit, di'e nach ihm die Heraklclsche genannt wurde. Um
zu erkunden, wie er Befreiung von ihr erlange, wanderte
er nach Delphi. Da aber die Pythia sich weigerte, dem
mit schwerer Blutschuld Befleckten Antwort zu geben, er-
grimmte er und raubte den prophetischen Dreyfuß, um an-
derswo cin eignes Orakel zu gründen. Apollo verfolgte
ihn: da es aber zum Kampfe kommen sollte, schleuderte
Zeus seinen Bli'tz zwischen die Streitendcn, und trennte
sie. Herakles aber empfing nun vom Orakel den Ausspruch,
dann erst werde seine Krankheit von ihm weichen, wenn
er als Sclave verkauft würde, drcy Jahre in Knechtschaft
verlebte, und seinen KaufpreiS — nach Pherekydes
drey Talente —> dem Eurytos als Blutsühne sür den
getödteten Sohn darbrächte. Durch seine Dienstzeit bei
der Oinphale wurde der Götterspruch erfüllt.

Ohne wesentliche Abweichungen, aber kürzer im Gan-
zcn, ausführlicher in Einzelheikcn übcrliefert diesclbe Sage
Pausanias^). Er weiß den Namen der delphischen
Priestcrinn, Tenoklcia, und führt einen Hexameter an,
den sie dem Räubcr nachgcrufen habe:

Herakles ausTiryns isteinanderer,
nicht der Kanober.

denn früher sey auch dcr Acgyptische Heraklcs in Delphk

1) ^.polloä. II, 6, 2, Z. nebst Heyncs obs8. x.
I8o. vgl. v io ä. IV, Zi.

2) 1'lisrsL^ä. ap. Lcliol. Oäz'LS. XXI, 2Z. Sturz
VraAin. I'lioroo. r>. 172. vgl. Müllerö Doner. Th. I.
l'. 416.

Z) 1'auLnrr. X, iZ, 4. vgl. VIII, Z7, r.
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