Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 128
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gewesen, aber offenbar ohne Frevel an dem Besitze des
Heiligthums zu verüben, wr'e jetzt der Tirynthi'sche, dcr
sich dadurch nicht zu seincm Vortheil von jcnem unter-
schied i). Der Zusatz des Pausanias, diese Erzählung
habe Dichter veranlaßt, von eincm Kampfe des Herakles
rnit dem Apollon zu singen, ist das einzige vorhandcne
Zeugniß, daß diesem Stoffe auch poetische Behandlung zu
Theil geworden ist. Aber aus dcr obenhinstreifenden Eil
jener Erwähnung wird es höchst wahrscheinlich, daß der
Neisebcschreiber selbst diese Gedi'chte nicht mehr gekannt, ja
uicht cinmal die Namen ihrer Urheber gewußt hat, daß
sie also keineswegs zu den bekannten Heraklcen, sondern
in eine frühcre Zeit gehörten.

In Verbindung hiermit steht eine uralte Stammsage
von der lakonischen Seestadt Gythion, die uns gleichfalls
Pausanias erhalten hat^). Die Gytheaten erkannten
keinen stcrblichen Erbauer ihrer Stadt an, sondern führtcn
die Gründung derselben auf den Herakles und Lpollon zu-
rück: beyde Götter hätten sie, nach ihrcm Kampf um den
Dreyfuß, gemeinschaftlich, gleichsam cin Pfand ihrcr Ver-
söhnung, gcgründet: eine Erzählung, ganz ähnli'ch der
des Nikandros und Athenadas bei Antoninus
Liberalis vom Wettstreit zwischen Heraklcs und Apol-
lo um den Besi'tz von Ambrakia, der ebcnfalls durch güt-
lichen Vergleich beigelegt wurde.

1) o 6 g a k>L8sir1I. nnd. cli u.orna., Vol. I. "p. roo.
hat den Si»n dieser wie mancher andern durch Kürze dunkeln
Stelle des Pausairias unstreitig richtig gefaßt: allora
rrnpanrirL la xrokotossa SSLlanrö ^ara^o-
iraiiäo il ririnrioall'Lrcolöä'L^irro.

2) Uansan. III, 2i, 7.

Z) ^.ntcrnin. Ink>. IV.
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