Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 129
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Dle Gytheatische Stiftungssage scheint aber darauf
hlnzuweiscn, daß Herakles mit dcm geraubten Dreifuß bis
zu dcm Orte entkommen sey, wo sich nachmals die Stadt
erhob, daß er hicr vom nacheilenden Apollo eingeholt wur-
de, und dcr entscheidcnde Kampf beginnen sollte, den nach
Apollodor dcr Blitz, nach Hyginus -) der bloße
Befehl dcs Zeus trennte. Eine andere Ueberlieferung da-
gcgen, die wir nur aus einer kurzen Erwahnung des P l u-
tarch kennen, ließ den Herakles sei'nen Raub ungehindert
nach dcr Arkadischen Stadt Pheneos am Gebirg Kyllene
bringen, und dort cin neues Orakel gründen, wofür nach-
mals der strafende Zorn Apollos über die Pheneaten kam,
die er.durch Ueberschwemmung vertilgte ^). ^

Ueber die Veranlassung des Dreyfußraubes schweigt
Pausanias gänzlich, und da cr selbst allcs mitzutheilen
verheißt, was er von dcr Sache erkunden gekonnt, scheint
er nichts Nähcres darübcr gcwußt zu haben. Daß jedoch
auch hierin die alte Ueberlieferung sich verschiedenartig aus-
gebildet hatte, beweisen Hyginus und Servius ^),
die die Krankheit des Herakles nicht von dem am Jphitos
verletzten Gastrecht, sondern von dcm Morde seiner Gattinn
Megara und ihrer Söhnc hcrlcitcn. Nach dem Scholiasten
zum Pindar aber hatte cr einen Trachinier erschlagen,
und suchte in Delphi wcgen der Sühnung Rath: da aber
die Pythia dcs Gottes Anwesenheit vcrleugnete, und nicht
antworten wollte, ergrimmte er, und verübte dre Gewalt-

1) Il^^in. IHb. XXXII.

2) klndarcli. äs sera nnm. viriä. ^i. 557- 6. eä.
I'rck. 2l>i6 Müiizcn folgert Müller, Docier, Th. I. 4Z2.
daß „ach ciner Bövlischcn Sage Herakles dcn Dreisuß nach
Theben und zwar in da6 Zsmcnion gelragen habe.

3) IIvLin. I'ab. XXXII. 8e r v. a ä Vir gil. ^en.
VIII, Zoo.

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