Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 135
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den: Visconti jedoch, der im Pio-Clementinischen Mu-
seum von allen vicr Denkmaalen eine Abbildung und Be-
schreibung gegeben hat '), säumte nicht, darin den Delphi-
schen Dreyfuß zu entdecken. Aber schon Zocga erklarte
daö höchst beschadigte und lückenhafte, dazu schlecht ergänzte
Werk für viel zu unvollkommen erhalten, um zu irgend
einer bestimmten Deutung zu berechtigen ^). Wir glau-
ben hinzufügen zu dürfen, daß Visconti's Deutung an
sich unzulässig und durchaus verwerflich ist. Die Sage
vom geraubten Dreyfusse blieb, weil sie nie allgemeine
Volkssage gewordcn war, stcts aus dem Kreise der zwölf
Hauptthaten des Helden ausgeschlossen. Dicse waren es,
die von den Herakleendichtern gefeiert wurden: sie sinden
sich glcichfalls in zahlreichen Kunstwerken, bald alle, bald
cinige derselben beisammen. Sowie aber unter die zwölf
Zeichcn des Thierkreiscs nie ein andres Sternbild gemischt
wurde, ebenso scheint cs ein frühes, durch Dichter und
Künstler bcgründetcs Herkommcn geworden zu scyn, wenn
man auch von den Hauptarbeiten des Heraklcs einzelne
cinzeln darzustellen kein Bedenken trug, doch keines seiner
untergeordneten Wagnisse mit jenen in Eine Rcihe zu stel-
len. Da nun aber die drei unzwcifclbaren Bildsäulen sich
auf drei seiner Großthatcn bezichn, die vierte aber unver-
kennbar mit diesen in ursprünglichem Zusammenhange steht,
glauben wir annehmcn zu dürfen, daß auch sie sich auf
einen Kampf aus demselben Sagcn - und Kunstkreise bczo-
gen haben muß. Auf welchen? vermögen wir um so wc-
ni'ger zu bcstimmen, als die Abbildung im Pio-Clementi-
nischcn Museum uns nicht einmal in den Stand fttzt zu

1) lVln56um l?io - Llementinnm. Vol. II. urv. 5 8-

r- s. ktz.

2) 2 vegs basslltl. aut. cli liomu. I. II. n- .1.
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