Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 142
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skischer Art geformten Dreyfuß und die Keule auf die her-
kömmliche Weise haltend. Auch die ganze Richtung dcs
Leibes nach links mit zurückgewandtem Haupte entspricht
der auf den Anaglyphen so vollkommen, daß wir schwerlich
irren, wenn wir darin Nachbildung einer ältern bessern
Arbeit zu sehn glaubcn. Eigenthümlich ist der Gemme ein
kleiner vkersirahliger Stern untcrhalb des stark zurückgebo-
gcnen linken Armes des Herakles ').

Der andre Stcin, gleichfallS ein Skarabäus in Car-
ncol, aus der Sammlung des Grafen Caylus ^), stcllt
in nachlässiger Arbeit die beiden Streitenden dar, ziemlich
in der gewöhnlichen Art, nur daß die ganze Gruppe her-
umgedreht ist, und die Handlung si'ch vvn der Linken nach
der Rechten hin bewegt. Beide Gestalten sind völlig un-
Lekleidet, nur Apoll ist bekränzt: er trägt den Bogcn, He-
rakles die Keule: letzterer unterscheidet sich durch einen kur-
zen, dichten Bart: Beiwerke sind nicht vorhanden, abcr
der Dreyfuß ist am obern Nande mit ciner weiblichen
Maske geziert. Der abenteuerliche Einfall des Grafen
Caylus, es solle darin eine Hindeutung auf die Pythia
Kcnokleia liegen, und der wcnig begründetere Beckers,
der darin eine der Hyperboreischen Jungfrauen erblickt, die
die ersten Weihgeschenke nach Delphi brachten, bedarf keiner
Widerlegung: thicrische und menschliche Larven dienten als
hergebrachtcr Schmuck bci Dreifüßcn, Kratcrcn und andern
Prachtgefäßcn, was noch jetzt eine lange Reihe schöncr
Denkmaale bezcugt; und neucre Jtalienische Künstlcr wie
Benvenuto Cellini habcn dicse Vcrzierungen mit
Dorliebe nachgeahmt.

r) s. darüber 6ori äe gcimn. ü»trik. x. 177.

2) Lavlus recueil ä'^ndig. ll'. IV. ^il. Z4. 5-
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