Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 143
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Nebrigens ist di'e Darstellungsweise auf beiden Steinen
keineswegs von dcr Art, um daraus auf Etruskische Arbeit
oder gar auf Uebcrtragung der Sage nach Elrurien zu
schli'eßen. Vcrgleichen wir aber die Behandlung des Stof-
fcs mit der auf den Anaglyphen, so muß das Urtheil durch-
aus zum Nachtheil der Gemmcn ausfallen, und es zeigt
sich, daß die räumliche Beengung sowie der gesammte Mi-
niaturstyl der Steinschneiderey fich mit Gegensiänden von
so hcroischem Gepräge nicht wohl vereinbaren läßt. Für
das, was untcr solchen Bedingungen verloren geht, kann
nur wie im Epigramm das überraschend Sinnrciche der
Ersindung oder die vollendete Zierlichkeit der Ausführung
Ersatz geben; unsern bciden Skarabäen aber läßt sich we-
der das Eine, noch das Andre nachrühmen.

Jn jeder Hinsicht werthvoller sind die Basengemählde,
von denen abcr bis jctzt wohl nur Eins zur allgemeineren
Kcnntniß gcbracht ist. Diescs hat Millingen in seinen
Griechischen Vascngcmählden zuerst abgebildet und crläu-
tert *). Es ziert die Eine Seite eines Gefäßes in dcr
reichcn Sammlung der Königinn von Neapel. Die An-
ordnung des Ganzcn stimmt mit der auf den Anaglyphcn
überein: Herakles auf dcr linkcn, Apollo auf der rcchten
Seite, der Dreyfuß in der Mitte. Auch die Stellung der
Streitenden ist im Wcsentlichen diesclbr, dcn linkcn Arm
des Heraklcs ausgenommen, dcr nicht angczogcn, sondern
frey ausgestrcckt ist, so daß der Dreyfuß nicht auf dcr
Schulter ruht, sondern allein von der Krast dce Arms in
der Schwcbe gctragen wird.

Jm Ganzcn abcr hat der Künstlcr sehr wohl begrif-
fcn, was zu ändcrn die Natur seines KunstgebieteS erfor-

l) lVlilliiiTell riciutures äs varer grecr, z>l- 3o.

x. 5o.
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