Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 145
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Vasengemählde abgebildet, wo cr, ncbst Leto und Artemis
am Drcyfuß sitzend, den Heraklcs vcrsöhnt empfängt *).

Da aber, wo das Dresdncr Anaglyph, das Nanische uni>
das von Velletri zwitchen Apoll und Heraklcs die angeb-
liche Cortina hat, steigt hier ein jungcs Lorbeerrei's aus
dem Boden, worin unscr Vasengemählde mit dem Albani-
schen Anaglyph im Pariser Museum zusammenstimmt, wenn
in diesem auch dem Lorbeer ein andrer Platz außerhalb der
Handlung gegeben, und die Pythische Schlange hinzuge-
fügt ist.

Endlich hat der Künstler auch darin den Unterschied
zwischen dem Styl des Anaglyphs und des Gemähldes
sinnvoll erkannt, daß er den Hintergrund nicht leer gelas-
sen, sondern auf die zweckmäßigste Weise bcnutzt hat. Jn
dcr Mitte des obern Raumes nämlich, in gleicher Entfcr-
nung von beiden Köpfen, hat er ein Doppelfenstcr angc-
bracht, aus desscn eincr Hälfte ein weiblichcs Haupt in
priesterli'chein Schleyer und Gewande hervorblickt, das Ge-
sicht wie trauernd gegen dcn Hcrakles gcneigt. Mit Recht
hat bereits Millingen in der Priesterinn die Pythia
Lenokleia erkannt. Durch dieß Beywcrk ist der Schauplatz
der Handlung noch vollständigcr bczeichnet, als durch den
Lorbeer allein: sie fi'ndet nicht mchr im Jnncrn dcs Tcm-
pels, aber in sciner nächsten Nähe statt, und ist von dem
Adyton nur durch die dieses umgcbende hohe Mauer ge-
schiedcn -).

1) lVlilllnAsn Vaser äs Loglnll. pl. vergl.
Müllers Doricr. Th. I. x. 45

2) Diese Mauer ist cs, waö Euripides im Zon,

1Z26. im Ion, 53. und der Andromache, 1033.

,c/,7)7rr; nennt.

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