Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 154
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ten, wi'e bey unsem Mitteln viellel'cht möglich war. Na-
mentlich scheint mir der letztere befriedigend dargelegt zu
haben, daß der Holmos der Griechen anf keine Wcise,
wie bisher geschehn war, für Eins und dasselbe mit der
Cortina der Römer gehalten werden dürfe, daß viclmehr
dieser das Schallgefaß (,j^kro^) der Griechen entspre-
che, der Holmos aber cin oben auf dem Dreyfuß liegen-
der scheibenförmiger Deckel sey. Auch das darf wohl als
erwicsen betrachtet werden, daß das Schallgefäß in
den eigentlichen Kessel des Drcyfußes (Ik/Zr^,
so eingesetzt wurde, daß die Oeffnung nach oben, das zu-
gerundete Ende nach unten gekehrt war, und also das klei-
riere Gefäß im größern zu stehn kam, wenn man gleich
rroch nicht recht begreifen mag, zu welchcm Zweck cin Kes-
sel in den andern — denn etwas anders ist doch auch das
Schallgefäß nicht— gleichsam eingeschachtelt wcrden konnte.
Auch scheint Müller diese Schwierigkeit nicht vcrkannt
zu haben, indem er selbst eingesteht, er würde di'ese An-
riahme nicht gewagt haben, wenn ihn nicht das dritte Fcld
des Dresdner Candelaberfußes dazu aufgefordert hätte, in-
dem hier, wo der zurückgegebne Dreyfuß wicdcr gewciht
wird, auch das Schallgefaß bereits wiedcr eingesetzt sey,
und mit seinem obern Rande über den dcs Kessels her-
vorrage ^).

Allein ein solcher Nückfchluß aus dem dritten Ana-
glyph auf das erste ist grade bey diesem Werke unzulassig,
wcil der Künstler, seiner Freihcit folgend, dcn zurück gege-
benen Drcyfuß anders und kunstrcicher gebildet hat als
den geraubten. Die einfach gradaus gehendcn Füße an
diescm biegen sich bcy jenem in Löwcntatzen um, und dcm
Bauche des Kcssels ist eine stützende Säule untergefügt.

i) Ülullür cla tri^. Ilal^Ir. 2i.
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