Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 155
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Warum sollte also m'cht auch der anfangs einfache Doden
des Dreyfußes an dem offenbar veredelten ein doppelter
gewordcn seyn? Zumal da bey den allermeisten Delphi-
schen Tripoden, wi'e die Abbildungen bey Müller selbst
lehren, wo an ein Herausgefallenseyn des Schallgefäßes
gar nicht gedacht werden kann, sich nur der einfache Kcsscl
ohne den rathsclhasten Einsatz zeigt. Daß aber nach Wie-
dcrerlangung des Dreyfußes an die Stelle des alten ein
schönerer neucr trat, liegt in der Natur der Sache: wo
untcrließen wohl Priester, wenn ihnen ein Tempel abbrann-
te, ihn prachtvoller wieder aufzurichten, und warum sollten
sie cs mit Tempelgeräthen, die Gegenstände höchster Ver-
ehrung geworden waren, anders gehalten haben?

Wollte man nun aber auch annehmen, daß das Schall-
gefäß beym Raube aus dem Dreyfuß gefallcn und nachher
wieder hineingesetzt seyn könne, wiewohl die Sage davon
schweigt, wollte man einräumen, dcr bildende Künstler habe
sich diesen Zusatz erlaubt, um den stürmischen Drang des
Augenblickcs zu versinnlichen, wozu ihm das Recht an sich
nicht abgesprochen werden soll, so würde doch nicht zu
leugnen scyn, daß hier ein außerst kleinliches, sehr moder-
nes Mittel gewählt wäre, während sich in dcr Haltung
und Bewegung der Kämpfenden cin viel kräftigeres, natür-
licheres dargeboten hätte, das aber der Mcister wcislich
vcrschmähte, weil Göttcr und Hcroen anders streiten als
Sterbliche. Ferner wäre diese rubige Umslülpung des Ge-
fäßcs ungeschickt gewählt, ja sie vernichtete selbst den beab-
sichtigten Zwcck, zu welchem eine nachlässige, Unruhe und
Verwirrung ausdrückende Lage vorzuziehn gewescn wäre,
wie wir z. B. auf Bakchischen Thiasen Pokale und Kra-
teren unordcntlich hingeworfen und dadurch eine ähnliche
Absicht wirklich erreicht sehn. Endlich aber würde so das
Unternchmen des Herakles nur halb gclungcn seyn: da
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