Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 156
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aber sein Raub stets als vollkommen ins Werk gerichtet
erzählt wird, wäre der Ueberlieferung durch den noch dazu
schlechten Einfall dcs Künstlers cine nicht zu rechtftrtigende
Gewalt angethan, und auf keinen Fall würde eine so ver-
pfuschte Darstellung so viclfacher Wiederholung gewürdigt
seyn.

Zu dem allen kommen nun noch cin Paar förmliche
Unmöglichkeiten, die aus der Betrachtung des Bildwerkes
selbst hervorgehn. Zuerst ruht der flache runde Deckel
(0^05) unverrückt auf dem Dreyfuß, so daß es gradezu
unbegreiflich ist, wie das Schallgefäß unter ihm hervorge-
rutscht und herausgefallen ftyn soll. Was abcr noch ärger,
der am Boden liegende halbrunde Körper kann sich offen-
Lar nie in diesem Dreyfuß und an der Stelle befunden ha-
ben, wo der Platz für das Schallgefäß ist, da der Durch-
rnefftr der vorgeblichen Cortina den dcr obcrn Oeffnung
des Dreyfußes, aus der er herausgeglittcn ftyn müßte, b e i-
nah um zwey Drittheile übertrifft, welches sich
gleich beym ersten Anblick selbst nur eines gewöhnlichm
Kupferstiches ergiebt, und eine an einem guten Gypsabguß
vorgenommene Messung bcstatigt hat. Dieß Verhältniß ist
auf dem Dresdner und dem Nanischen Marmor ganz das-
selbe: einen so ungeheucrn Misgriff aber, zu dessen Ver-
hütung keine Rcflexion, sondern bloß ein unverdorbnes
Auge erfordert wird, — grade das, woran es den alten
Meistern am wenigsten fehlte, — wäre kaum dcm ärgsten
Stümpcr, geschweige dcnn dcm Urheber eines so edeln,
schon im Alterthum fleißig vervielsachtcn Werkes anzumu-
then.

Ehe ich nun aber meine cigne Meinung darlege, muß
ich noch eines andern alten Kunstdenkmaales erwahnen, auf
dem unverkennbar derftlbe Gegcnstand dargcstellt ist, ja
von dem cigcntlich die angenommene Dcutung auf dm
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