Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Archäologie und Kunst — 1.1828,1

Seite: 161
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klart hat, da ihm doch auf d-'esen Wcrken der Omphalos
sclbst ohne Umgitterung hatte erscheinen sollen. Aber da
wir nirgends von einem solchen Verschluß lescn, auch die
Annahme dcssclben durch jcnc Darstellungcn gar nicht be.-
gründet ist, scheint cs mir natürlichcr, nur die eyfvrmige
Wölbung, die ohnehin der Wirkli'chkeit entsprach, als hcr-
kömmlich und von dcn bildcnden Künstlern ein für allemal
angenommcn, die Verzierung des Stcines abcr als der
Neigung und Willkühr jedcs Einzelnen anheimgestcllt zu
betrachtcn; dahcr denn der cine Streifcn odcr Hohllei'sten,
der andre Gitterwerk, der dritte mehr architektoni'sche For-
men vorzog, sowic ja auch dcr Delphische Dreyfuß selbst
in der Grundform überall dcrselbe, in seinen verzierenden
Beywcrken aber aufs mannigfachste verandert erscheint.

Wenn cs demnach wahrscheinlich gemacht ist, daß dcr
Dclphische Erdnabel auf alten Kunstdeiikiiiaalen in dicscr
und nur i'n dieser Gestalt abgebildct wurde, so lcuchtet so-
fort ein, warum nicht bloß auf dcm Dreyfußraube, sondern
auch in der Apotheose Homcrs und dcr Sühnung des Ore-
stcs cben jener Stein scinen Platz gefunden hat. Er
dicnt zur einfachstcn und gewiß jedem Griechen verständ-
lichsten Bezcichnung des Ortes, der auf allen diesen Kunst-
werken dcrsclbe ist. Daraus ergiebt sich zugleich sür die
Darstcllungen des Dreyfußraubes, daß dcr Streit zwischen
Herakles und Apollo r'n scinem Beginn dargcstellt ist, und
für dic Apothcose, daß Bröndsted Recht hat, wenn cr
in dcr gcwölbtcn Höhlc nicht mit Schott und Disconti
di'e Korykische Grotte, sondern das Delphische Adyton selbst
gewahrt ^). Nicht mindcr aber leuchtet ein, warum auf
dem Albanischen Anaglyph in Paris und auf dem Vascn-

i) Drindsted Nclsc», Tl). I. I2l.

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